Von Januar bis September 2002 fehlten offiziell ständig 40 von 1000 Beschäftigten durch Krankheit - der niedrigste Stand seit 1998. Vor vier Jahren begann das Bundesgesundheitsministerium damit, gemittelte Zahlen zu veröffentlichen - zusätzlich zu Stichtagsdaten jeweils zum Monatsersten.

Diese können nämlich irreführend niedrig liegen, wenn ein Monatsanfang aufs Wochenende fällt. Denn viele Krankschreibungen enden freitags oder beginnen montags.

Doch auch der bessere Durchschnittswert hat einen großen Haken: Die Statistiken der Krankenkassen unterschlagen nämlich kurze Ausfälle von bis zu drei Tagen. "Krankmeldungen werden nur erfasst, wenn ein ärztliches Attest vorliegt", sagt Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Und viele Unternehmen bestehen erst vom vierten Fehltag an auf einem Krankenschein.

Dies ausnutzend, überfällt so genannte Blaumacher ihr vorgetäuschtes Leiden oft an Brückentagen zwischen Feiertag und Wochenende sowie am ersten oder letzten Arbeitstag der Woche. Vor Jahren hat die Hoechst AG die kostspielige Erfahrung gemacht, dass sich die Zahl der Kurzzeitkranken verdoppelte, als das Unternehmen auf ein Attest vom ersten Tag an verzichtete. Das sei riskant, denn ein hoher Krankenstand "gefährdet die Wirtschaftlichkeit und die Konkurrenzfähigkeit eines Betriebes", warnt der Unternehmensberater Ehrhard Flato. Die Kassen der Blaumacher bessert es hingegen nicht selten auf. Denn Experten zufolge verdienen sich diese in der erschlichenen Freizeit immer öfter etwas hinzu.

Krankheitsbedingte Ausfälle, ob vorgetäuscht oder nicht, belasten nicht nur die gesunde Belegschaft durch die nötige Mehrarbeit, sie kommen auch die Unternehmen teuer zu stehen. Im Jahr 2000 zahlten diese nach Angaben der Arbeitgeberverbände umgerechnet fast 31 Milliarden Euro an Löhnen, Gehältern und Krankengeld für erkrankte Arbeitnehmer (Jahr 2001: 32,7 Milliarden).

Hinzu kamen Milliardenbeträge für Vertretungskräfte und Produktionsausfall, aber auch der Krankengeldanteil der Versicherer in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Der Fehlzeitenreport der AOK nennt sogar einen Betrag von 47,5 Milliarden Euro, für die im Jahr 2000 an 684 Millionen Krankheitstagen keine Arbeit geleistet wurde. So angreifbar solche Statistiken im Einzelnen sein mögen - das Problem ist gewaltig.