Normalerweise dauert es Monate, Jahre bis eine Ausstellung mit Spitzenwerken von Rubens, Tizian, Mantegna, Lorrain, Poussin und anderen zustande kommt.

Für die Meisterwerke aus Dresden, die noch bis zum 19. November im Bucerius Kunst Forum Hamburg zu sehen sind, reichten zwei Telefonate à sechs Minuten, um die wesentlichen Dinge zu besprechen. Dabei ist die neue, von der ZEIT-Stiftung initiierte Ausstellungshalle gleich neben dem Rathaus der Hansestadt offiziell noch gar nicht eröffnet

erst Mitte Dezember sollte es so weit sein. Die Vorpremiere im Rekordtempo ist eine Spätfolge des Jahrhunderthochwassers in Sachsen. 200 000 Euro stellte die ZEIT-Stiftung den Staatlichen Gemäldesammlungen als Soforthilfe bereit. Als Dankeschön versprach deren Generaldirektor Martin Roth seinem Hamburger Kollegen Heinz Spielmann eine Kunst-Stippvisite in der Partnerstadt. In der Schalterhalle der ehemaligen Reichsbank, deren Zentrum ein eigenwilliges Oktogon mit mosaikbesetzten Säulen bildet, erzählen nun 41 Bilder eine Kürzestkunstgeschichte von der Renaissance zum Barock, künden vom Reichtum der Dresdener Sammlung - und ihrer Not. So hätte man das Prunkstück der Ausstellung, Mantegnas gerade in Los Angeles aufwändig restaurierte Heilige Familie, lieber zuerst in Dresden gezeigt. Doch noch ist die Heimat ein Provisorium, deshalb gehen Maria, Kind & Co. für einen guten Zweck zunächst ins Exil: Die Hälfte aller Einnahmen fließen elbaufwärts, in die Wiederherstellung der Dresdener Sammlung.