und halte das aus! Gesichter ohne Lächeln, Haare ohne Frisuren, Körper jenseits aller Normen, Berufe, die es nicht mehr gibt. So weit weg ist uns die Welt des frühen 20. Jahrhunderts, so fremd erscheint uns die Haltung gegenüber dieser Welt. Frau mit fortgeschrittenem Intellekt, 1914 (oben).

Oder: Frau aus dem Kirmeswagen, um 1930 (Mitte). Und: Handlanger, 1928 (unten). Alle Menschen, die der große Fotograf August Sander aufnahm, in Aberhunderten von Fotos, geordnet nach Gruppen in Ordnern und Mappen, stehen vor uns als Denkmäler ihrer Art: 619 Bilder. Keine Schnappschüsse, vielmehr behutsam Betrachtete, deren Blicke erzählen, dass sie viel gesehen haben und eins nie verloren: ihre Würde. Diese Fotografien sind erstmalig gemäß dem ursprünglichen Konzept gedruckt in sieben Bänden, die da heißen Der Bauer und Der Handwerker, natürlich Die Frau, auch: Die Stände und: Die letzten Menschen. Wir sehen Jungbauern, Zimmermädchen, Hochzeitsfotos und Stahlhelmtreffen, Kriegsinvaliden, einen Mausefallenverkäufer und, zuletzt, die Totenmaske eines Häftlings: die von Erich Sander, 1944, seinem Sohn. Ecce homo!

August Sander: Menschen des 20. Jahr- hunderts

Sieben Bände, über 600 Fotografien

Verlag Schirmer/Mosel, München 2002

198,- e