Schwarz und stolz
Im Grunde waren sie selbst Popstars, die Mitglieder der Black Panther Party For Self Defence. Gleich ihr erster Auftritt 1967 - sie sprengten vor laufenden Fernsehkameras eine Veranstaltung des damaligen kalifornischen Gouverneurs Ronald Reagan mit der Ankündigung, sich von nun an bewaffnet der Polizeigewalt entgegenzustellen - bewies Meisterschaft in der medialen Selbstinszenierung. Chic aber auch die Lederjackenmilitanz ihrer Uniformen, die Abzeichen, die Mützen. Und die Sprüche. Er habe es satt, mit linken Theoretikern zu diskutieren, "die es nicht einmal schaffen, sich ihren Weg aus einer Papiertüte freizukämpfen", meinte Black-Panther-Begründer Huey Newton einmal. Bloß Musik haben sie keine gemacht.
Die Zahl der Songs, die sie inspirierten, dürfte allerdings in die Hunderte gehen. Drei Dutzend davon präsentiert auf zwei CDs die Zusammenstellung Black & Proud - The Soul Of The Black Panther Era (Trikont US-302 und US-306). Auch heute noch, 30 Jahre nach ihrem Entstehen, überträgt diese Musik eine Aufregung, die einem Schauer über den Rücken jagt. Da ruft der Bürgerrechtler Jesse Jackson, als er einen Auftritt des Cannonball Adderley Quintets ankündigt: "If it's rough and tough in this ghetto and a lot of funny stuff is going down - but you gotta walk tall! Walk tall! Walk tall!"
Der Politsoul-Sänger Gil Scott-Heron fragt, wer einmal Reparationen für seine geschundene Seele bezahlen wird, und die Gruppe Ghetto Reality, ein Jugendchor aus Rochester, New York, besingt sehr beseelt einen Prozess politischer Bewusstwerdung: Noch vor kurzem sei das Haar von James Brown, dem Godfather Of Soul, "slick and shiny" gewesen, jetzt kräuselt es sich - "he sports his afro, he's thinking black, oh Lord, I'm proud!". Mal werden zeittypische Slogans vertont (Be Black, Respect Yourself, Get Involved, Right On), mal eine Zukunft ohne Unterdrückung beschworen (wie in dem großartigen I'm Talkin' Bout Freedom des Bluessängers Syl Johnson).
Die 37 Titel sind der Soundtrack eines Aufbruchs, der mit den Mitteln des Pop aufs Politische zielte. "Today it's time to stop singing and start swinging", wie Malcom X einst formulierte. Die Musik verschmilzt dabei so grandios Militanz und Pose, dass man schnell vergisst, wie wenig der radical chic der Black Panther bloßer Glamour war. So kraftvoll und überzeugend dieser Sound sich heute noch anhört - er entstand nicht, um der langen und ruhmvollen Geschichte amerikanischen Entertainments ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.
Den Hintergrund bilden die rauchenden Trümmer der amerikanischen Schwarzen-Ghettos in den späten Sechzigern.






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