Spanische Ängste.

Jetzt hat endlich auch die spanische Rechte Frankfurts historische "Sponti"-Szene entdeckt und damit die Jugend Joschka Fischers sowie die seines Wegbegleiters Georg Dick. Dieser, zurzeit noch Botschafter in Chile, soll dem von Fischer soeben in den einstweiligen Ruhestand versetzten deutschen Botschafter in Madrid, Ex-Kohl-Berater Joachim Bitterlich, nachfolgen. Das aber wollen manche verhindern, sei es aus Solidarität mit Bitterlich, sei es aus antirevolutionärer Überzeugung. Das erzkonservative Blatt ABC recycelte daher die Geschichte, wonach die beiden seinerzeit, im September 1975, bei einer etwas turbulenten "Demo" vor dem spanischen Generalkonsulat in Frankfurt mitgemischt hätten. Anlass: Protest gegen fünf Hinrichtungen in Spanien, wenige Wochen vor Francos Tod. Dick selbst sagt, er sei damals gar nicht in Frankfurt gewesen, sondern im frisch befreiten Portugal. Mag sein. Aber was soll's? Würde er sich vom publizistischen Sperrfeuer aus Madrid denn bremsen lassen? Vielleicht passt es dann aber doch ganz gut, dass Fischer angeblich überlegt, den alten Kumpel lieber zurück ins Amt zu holen. Lasst Getreue um mich sein. Spaniens Rechte dürfte aufatmen.

Afghanische Ernte.

Noch ist der Schutt aus Kabuls Straßen nicht weggeräumt, da erblüht Afghanistan, genauer gesagt, der Schlafmohn auf den Feldern. Laut einer Studie der Vereinten Nationen werden Bauern und Drogenhändler mit der diesjährigen Ernte einen Rekordertrag einfahren. Denn Opium - und damit Heroin - hat seinen Preis, und der verzehnfachte sich auf 350 US-Dollar je Kilo, nachdem die Taliban im vergangenen Jahr mit aller Gewalt ein Produktions- und Ausfuhrverbot durchgesetzt hatten. Doch der Bann ließ nicht nur Preise in die Höhe schnellen, er trieb auch die Bauern in fruchtbare Gebiete im Süden und Osten, wo nun, wie Satellitenbilder belegen, großflächig der Mohn geerntet wird, der 75 Prozent der Heroinsüchtigen in aller Welt versorgt. Die UN-Experten hatten sich das Ziel gesetzt, den Anbau an der Wurzel zu packen, den Bauern Geld zu zahlen, wenn sie eine andere Frucht kultivieren. Doch sie hatten in alten Preisen gerechnet.