Trotz aller gegenteiligen Versprechen von Kanzler Gerhard Schröder und anderen Koalitionsoberen - es gehört nur wenig Fantasie zu der Prognose, dass in der rot-grünen Streichliste für Abschreibungsmöglichkeiten und Vergünstigungen wieder einiges gestrichen wird.

Macht nichts. Es gibt zwar für jeden einzelnen Punkt im Kürzungskatalog von Finanzminister Hans Eichel einen einleuchtenden Grund. Doch so sinnvoll es ist, das Vorschriftendickicht zu lichten und unwilligen Steuerzahlern Ausweichwege zu versperren, so macht ein wahlloses Einsammeln von Steuervergünstigungen noch kein besseres Steuersystem.

Es ist widersinnig, bis in alle Ewigkeit Kursgewinne von Wertpapieren oder gar Lebensversicherungen zu besteuern, wenn man gerade erst die Riester-Rente auf den Weg gebracht hat und die kapitalgedeckte Altersvorsorge mit Staatsgeldern fördert. Und es zeugt von unüberlegtem Handeln, wenn der Finanzminister an einem Tag verkündet, dass wohltätige Spenden nicht mehr abzugsfähig seien - und kurz darauf der Kanzler höchstselbst nach massiven Protesten diese Abzugsfähigkeit wieder zugesteht.

Der vielstimmige Chor der Protestler in der Koalition und sogar in der Regierung gegen weitere Änderungen - von der Kürzung der Eigenheimzulage bis zur höheren Besteuerung von Dienstwagen - lässt das Schicksal des Eichel-Katalogs erahnen. Und nach dem Bundestag hat der Bundesrat das Sagen.

Dort droht die Union mit ihrer Mehrheit. Sie ist zwar bis heute ein eigenes Konzept schuldig geblieben, lehnt aber das Regierungspaket ab.

Aus politischen Motiven könnte die Union der Wirtschaft einen Gefallen tun.

Denn in der gegenwärtigen ausgeprägten Konjunkturschwäche ist es ökonomisch falsch, die Steuerlast zu erhöhen, um neue Löcher im Staatshaushalt zu stopfen. Nichts anderes ist es aber, wenn die Regierung Subventionen abbaut, um Geld zusammenzukratzen, und nicht gleichzeitig die Steuersätze senkt.