Dass man dem Staat von nicht existierendem Geld auch noch etwas abgeben soll, scheint zunächst wenig einleuchtend. Doch auf den Einwand, dass man auf virtuelle Gewinne nur virtuelle Steuern zu zahlen bereit sei, werden sich wohl die wenigsten Finanzämter einlassen. Kann man sich dann wenigstens damit herausreden, dass man zwar die Kapitalerträge auf dem Kontoauszug gesehen habe, dass sie aber niemals ausgezahlt worden sind?

Der Bundesfinanzhof in München hat sich mehrmals mit dieser Frage befasst.

Mittlerweile hat das höchste deutsche Steuergericht definiert, wann einem Anleger Erträge zugeflossen sind - wann sie also steuerpflichtig werden.

Im einfachsten Fall werden dem Anleger die Erträge gutgeschrieben, und er kann darüber verfügen, sie also tatsächlich auszahlen lassen. Damit sind sie steuerpflichtig.

Komplizierter ist es, wenn der Anleger Einsatz und Erträge stehen lässt, um weitere, höhere Erträge zu erzielen. In diesem Fall tut das Finanzamt so, als würden Einsatz und Erträge vollständig abgehoben und im nächsten Augenblick wieder angelegt. Damit hat der Sparer kurzzeitig darüber verfügt und kann nicht behaupten, es habe die Renditen nicht gegeben.

Besteht der Anleger auf einer Auszahlung, der Schuldner kann diese aber - zum Beispiel aus Liquiditätsmangel - nicht leisten, geht das Finanzamt davon aus, dass die Erträge auch nicht zugeflossen sind. In so einem Fall sind natürlich keine Steuern fällig.

Keine Rolle spielt nach Ansicht der Finanzrichter, ob und wie die Anlagegesellschaft die Erträge erwirtschaftet hat. Die panamaische Firma Ambros S. A. beispielsweise hatte überhaupt keine Erträge vorzuweisen.