1. ERLEBNIS - Zwangspause
In diesen Tagen nötigen wieder zahllose Chefs ihre Mitarbeiter zum Urlaub. Und wissen nicht, was sie damit anrichten
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1. ERLEBNIS - Zwangspause

In diesen Tagen nötigen wieder zahllose Chefs ihre Mitarbeiter zum Urlaub. Und wissen nicht, was sie damit anrichten

Von Melanie Ruprecht

"Ihr Urlaubskonto weist einen nicht unerheblichen Resturlaub für das laufende Jahr auf. Bitte bauen Sie ihn bis zum Jahresende ab." Nichts lieber als das. Der Brief der Personalabteilung lässt alle Skrupel schwinden: Projekte können warten, Artikel müssen nicht geschrieben werden. Wen stört's, dass jene Kollegen, die ihren Urlaub brav genommen haben, nun Überstunden machen müssen? Mich nicht. Nicht mehr. Ich gehe in Urlaub - auf Befehl.

Bleiben nur ein paar klitzekleine Fragen: Wo, mit wem und welchem Geld? Im trauten Heim? Preiswert, aber unakzeptabel im regengrauen Hamburg. Zu den Eltern? Das dürfte äußerst günstig werden: Kost und Logis frei, das nächste einigermaßen ansprechende Café in 25 Kilometern Entfernung. Doch habe ich ein Jahr lang gerackert, um in der "schönsten Zeit des Jahres" eine Reise in die Vergangenheit anzutreten? Nein, nein und nochmals nein. Also, liebe Bankberaterin, Sie sehen, ich war aufrichtig bemüht, mein Konto nicht zu belasten. Aber das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Denn Urlaub, richtiger Urlaub, kostet Geld.

Einem Zwangsurlauber mag das einsichtig erscheinen. Der Begleitung nicht. Wie motiviere ich meinen Liebsten, tief in die Taschen zu greifen, nur weil ich nicht ins Büro darf? Wie überzeugt er seinen Chef, Sonderurlaub zu gewähren, weil der Freundin noch 20, ihm aber nur noch fünf freie Tage zustehen? Sehr, sehr klug muss agieren, wer zum Urlaub genötigt wird: diskutieren, flehen, potenzielle Reisegefährten bestechen. Es kann gelingen. Mögliche Nebenwirkung: Die Überzeugungsarbeit raubt so viel Energie, dass man anschließend wirklich urlaubsreif ist und eventuell so ermattet, dass das Wichtigste auf der Strecke bleibt: Die Suche nach dem idealen Reiseziel.