Vor sechs Jahren machte der Physiker Alan Sokal eine ganze Disziplin lächerlich: Der Zeitschrift Social Text jubelte er einen hochgestochen klingenden Aufsatz über "eine transformative Hermeneutik der Quantengravitation" unter. Der bestand zwar nur aus einer bedeutungsfreien Aneinanderreihung von Modebegriffen der Semiotik - passierte aber anstandslos den akademischen Gutachterprozess. Social Text war blamiert, der Rest der wissenschaftlichen Welt hielt sich den Bauch vor Lachen.

Erleben wir nun die Rache für Sokal? Die Parallelen sind frappierend: In mehreren physikalischen Fachblättern veröffentlichten die französischen Fernsehjournalisten Igor und Grichka Bogdanov Artikel, die nach dem Urteil der meisten Experten als Nonsens einzustufen sind. Auch diese Texte sind reichhaltig gespickt mit den Modebegriffen der modernen, diesmal der physikalischen Theorie: Da ist die Rede von der "raumzeitlichen Metrik auf der Planck-Skala", von der "topologischen Feldtheorie der initialen Singularität" oder davon, dass die "natürliche Struktur des q-Minkowski- und des q-Riemann-Raumes durch Semidualität verbunden" seien.

Auch diese Werke passierten ohne Schwierigkeiten die akademische Kontrolle, trugen den Bogdanov-Brüdern sogar je einen Doktortitel ein. Doch der amerikanische Physiker John Baez kommt zu einem vernichtenden Urteil: "Einige Teile scheinen fast einen Sinn zu ergeben, aber je sorgfältiger ich sie las, umso weniger Sinn ergaben sie. Irgendwann musste ich entweder lachen oder bekam Kopfschmerzen."

Hat sich die Physik einen Bären aufbinden lassen? Und beweist der Fall, was manche schon länger vermuten: dass nämlich die theoretische Physik auf dem besten Weg ist, zu einer hermetischen Geheimwissenschaft zu werden?

Tatsächlich sind die mathematischen Konstruktionen, die heute die physikalische Welt erklären und Einsteins Relativitäts- mit der Quantentheorie verbinden sollen, so speziell, dass nur ein paar Dutzend Forscher von sich behaupten können, das Gebiet zu überblicken. Wenn Stringtheoretiker die Vorgänge beim Urknall mithilfe der Topologie 11-dimensionaler Räume beschreiben, dann verstehen das nur Eingeweihte. Und nun kommen zwei Fernsehjournalisten, die sich nebenbei als Quereinsteiger mit Physik beschäftigt haben, und behaupten: "Wir haben die wichtigsten Fragen über den Ursprung des Universums beantwortet!"

"Sie sind sehr begabt - wenn auch nicht in der Wissenschaft"

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man den Zwillingsbrüdern Bogdanov wirklich nicht bescheinigen. Ihrer eigenen Beschreibung nach sind sie echte Genies: "Mit drei Jahren konnten wir Klavier spielen, mit sechs Auto fahren, mit 14 haben wir das Abitur bestanden, und mit 16 hatten wir den Pilotenschein", erzählen sie. Gerne berichten sie, dass ihre Großmutter eine russische Prinzessin war, dass sie wegen ihrer Frühreife den Schulbesuch vorzeitig abgebrochen hätten und mithilfe von Privatlehrern unter anderem sechs Sprachen gelernt hätten.