Das Prinzip Tourismus beleuchtet der Kölner DuMont Verlag in seinem Jahrbuch für Reise- & Tourismusforschung Voyage. Historikern, Soziologen und Literaturwissenschaftlern bietet er nun schon im fünften Jahr ein Forum, Hintergründe der weltweit umsatzstärksten Wirtschaftsbranche zu analysieren.

Während einige der bisherigen Ausgaben mit Titeln wie Reisen und Imagination oder Tourismus verändert die Welt zu Höhenflügen in die Theorie tendierten, lässt der jüngste Jahrgang einen Hang zu Sinnlichkeit und Küchenpersonal erkennen. Reisen & Essen (herausgegeben von Tobias Gohlis, Christoph Hennig, Dieter Richter, Hasso Spode

DuMont Buchverlag, Köln 2002

200 S., 20,40 Euro) lautet der Themenschwerpunkt und entwickelt - dem Willen der Editoren folgend - an historischen und aktuellen Fragestellungen die Zusammenhänge von Reisekultur und Gastrokultur. Das klingt abstrakt, liest sich aber im Einzelfall gut und gern.

Ein Dutzend oft unterhaltsamer und immer lehrreicher Originalbeiträge fokussiert die Aspekte des Reisens und Speisens. Die Geschichte des Gasthofes zu Postkutschenzeiten wird aufgerollt und von der Angst vorm großen Wirtshaussterben berichtet. Unter dem Titel Lebensmittel auf Reisen legt der Umweltforscher Frank Waskow eine Studie über den Wahnsinn der Globalisierung von Ernährung vor, indem er ausrechnet, wie viel Liter Kerosin ein Kilo südafrikanischer Weintrauben auf dem Flug Kapstadt- Frankfurt verbraucht. Der Sinologe Wolfgang Arlt erforscht Ess- und Reisegelüste ostasiatischer Touristen. Warum Geheimrat Goethe in der Ferne die Sehnsucht nach Teltower Rübchen übermannte, warum im Zuge der internationalen Umtriebigkeit die regionale Küche boomt - Voyage wirkt wie ein kulinarisches Reisekaleidoskop.

Dass sich im Laufe der Lektüre Redundanzen ergeben, dass eine leichte Italien- und Frankreichlastigkeit zum Ausdruck kommt, stört den Leser wenig.

Denn die Fülle des Materials sorgt durch originelle Details für immer neue Überraschungen. Etwas disparat im harmonischen Gefüge des Bandes erscheint allein der Essay des Filmkritikers Georg Seeßlen, der in Anlehnung an den französischen Philosophen Paul Virilio über die mögliche Auslöschung des traditionellen Reisebegriffs aufgrund von Beschleunigung und Trivialisierung sinniert und dem Thema des Jahrbuches so fern bleibt wie es einst Goethe von einem Teller Ravioli war. Außerdem erschließt sich nicht auf den ersten Blick, nach welchen Kriterien die Herausgeber den Rezensionsteil des Bandes zusammengestellt haben. Als tourismuswissenschaftliche Neuerscheinung wird hier immerhin ein englischer Aufsatz aus dem Jahr 1998 untergemogelt: ein Vergehen am Rande, das die Glückwünsche zum fünften Geburtstag von Voyage jedoch nicht schmälern soll.