Der Mann mit der Mütze

Die meisterzählte Geschichte über den Mann, der sich Badly Drawn Boy nennt, ist die von der Wollmütze. Kein Foto ohne seine versiffte Erkennungsmarke, die er eines Tages für einen wohltätigen Zweck versteigern ließ - um sie dann für viel Geld selbst zurückzukaufen. Was für ein bärtiger Sonderling! Sagen die, die für ihn trommeln. Dabei könnte die Rolle dieses Singer und Songwriter, der im wirklichen Leben Damon Gough heißt und aus Manchester kommt, genauso gut von einem Dandy oder einer Diva gegeben werden. Oder einem Helden des Proletariats.

Nun verhält es sich mit der Musik von Badly Drawn Boy wie mit der Mütze: Sie macht noch keinen Exzentriker, ist aber doch schwer zu verwechseln. Schon mit den verspielten Songskizzen seines Debüts vor zwei Jahren waren alle einverstanden, und gerade erst hat er sie mit seinem Soundtrack zur Verfilmung von Nick Hornbys About a Boy noch satter gemacht und besser, weil sie einfacher klingen und dabei komplizierter sind. Auf Have you fed the fish (XL Recordings/Beggars/Connected) nun ist sein Eklektizismus, der ihm schon die Bezeichnung als Erbe der Beatles und britischer Beck eingebrockt hat, noch emphatischer geworden. Authentizität? "Songs are never quite the answer, just a soundtrack to our life", singt er und collagiert Ragtime mit den Kinks und Disco, verbindet überzuckerte Chöre, Streicher und Bläsersätze, verstrickt wuchtiges Gitarren-Wahwah mit zierlichem Gezupfe. Vertikal drängeln die Anspielungen, und horizontal sind manchmal sieben Songs in einen geklemmt, jeder mit einem anderen Thema und Tempus, bis man gar nicht mehr weiß, welchen man zum Refrain küren soll und wie es eigentlich kommt, dass alles trotzdem passt.

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Aber ist diese Musik noch echt, subversiv und spontan, so wie Rock seinem Klischee zufolge sein soll? Funktioniert sie nicht eher nach den Gesetzen von Kontemplation und Kunstgenuss, als weiße Musik für Mittelschichten? Tanzen und mitsingen wird man bei Badly Drawn Boy bestimmt nie. Dazu sind seine Rhythmen zu stolpernd, seine Halbtonschritte zu knifflig. Sie verführen mehr, als dass sie überrumpeln - was auch eine Qualität ist. Wie angenehm, dass man diesem Kauz, der keiner ist, einfach nur zuhören kann. Dass seine Musik nie fordert. Dass sie über die unaufdringliche Ausstrahlung einer Höhensonne im Winter verfügt und doch immer wieder Neues in ihr zu entdecken ist. Am Ende jeder seiner Platten ist man restlos überzeugt, dass der Mützenmann hineingehört ins eigene Leben. Wieder einmal ist es ihm gelungen, aus künstlichen Mythen sein ganz eigenes kleines Wunder zusammenzuschrauben.

 
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