Große Verlorenheit, mitten in Köln. Nur Autorauschen, ein paar Stummelhäuser, nichts, das einen hielte. Selbst jenes Reststückchen der alten Stadtmauer, wie durch ein Wunder erhalten, wirkt fremd, überflüssig. Allein Johannes Schilling scheint sich im Niemandsland wohlzufühlen, denn hier entdeckte er ein Baugrundstück, wo kein Baugrundstück war. Vor dem Krieg hatten gleich neben dem Gereonswall noch Häuser gestanden, dicht an dicht.

Dann kamen Krieg und Nachkriegszeit, erst wurde zerbombt, später zerpflückt, schließlich war Parkplatz, was vorher Stadt geheißen hatte. Bis zu jenem Tag, an dem Schilling seinen Bauantrag einreichte.

Dankbar war man auf seinen Vorschlag eingegangen, auf dem Parkplatz wieder ein Haus zu errichten. Dankbar für die unverhoffte Einnahme, hatte die Stadt das schmale Eckgrundstück an den Architekten verkauft. Es entstand ein Bürohaus, das brav in Reihe steht, das den Blockrand respektiert. Das zugleich ein Solitär bleibt, ganz auf sich gestellt. Schilling will den geschundenen Stadtkörper nicht heilen, will nicht lieblich, nicht behaglich sein - er setzt an den entfremdeten Ort einen Fremdkörper.

Ein schierer Leib aus Beton und Glas, der auf den ersten Blick abweisend wirkt. Zu ungewohnt, zu schnörkellos ist der Bau, zu klar und kantig sein Schnitt. Schilling versucht gar nicht erst, sich ins Umfeld einzufügen, zumal dort nichts ist, was Respekt verlangte. Allenfalls die mittelalterliche Wehrmauer, doch diese ignoriert der Neubau. Er will unbedingt etwas Eigenes sein, tritt unvermittelt auf, um markig einen Ort zu markieren. Einen Ort, der die Neugierigen einlädt.

Hohe Fensterbänder öffnen die Fassade, und wer daran vorübergeht, kann gar nicht anders, als hineinzusehen - das Erdgeschoss ist verglast wie ein Schaufenster. Später werden hier Schreibtische und Computer stehen, ausgestellt wird aber vor allem das Haus selbst: Es ist sein eigenes Vitrinenstück, denn Schilling war nicht nur Architekt, er war auch Bauherr.

Vor kurzem ist er mit seinen Mitarbeitern eingezogen, und nun soll alle Welt sich geladen fühlen, sein ideales, ganz ungewohntes Büromodell in Augenschein zu nehmen.

Tatsächlich ist dies Innenleben das eigentlich Erstaunliche. Auch wenn Schillings Haus keine Maske trägt, sich nicht verstellt, so wechselt doch beim Eintreten der Charakter des Baus: Die schroffen Kontraste, die das Äußere bestimmen, werden im Inneren gedämpft. Dem Besucher begegnet ein Haus von hoher Stimmigkeit und Präzision, ohne dass es kalkuliert und kühl wirkte.