Die grüne Reformation

Neue Aktienindizes zeigen, ob Konzerne ihre Mitarbeiter und die Umwelt ausbeuten

Als der neue Trend zu nachhaltigen Geldanlagen begann, waren die Finanzmärkte mit anderen Dingen beschäftigt. Zwischen 1997 und 1999 hatte sich in den USA das Volumen der socially responsible investments auf 2,16 Billionen Dollar fast verdoppelt. Angesichts des täglichen Kursfeuerwerks sorgte das rapide steigende Interesse der Anleger an ökologisch und sozial korrekten Anlagemöglichkeiten allerdings kaum für Aufsehen. In den goldenen Jahren trug jedermann sein Geld an die Börse, warum nicht auch solche Zeitgenossen, die Skrupel empfinden, mit Anlagen in Genmais satte Globalisierungsgewinner-Traumrenditen zu erzielen?

Nur die schweizerische Investmentgesellschaft Sustainable Asset Management (Sam) glaubte eine echte Marktlücke zu erkennen und veröffentlichte den ersten globalen Aktienindex, der die gelisteten Titel in Sachen nachhaltiger Unternehmenspolitik beurteilt: den Dow Jones Sustainability Index (DJSI).

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Die Schweizer bewerten, inwiefern die Konzerne Mensch und Natur ausbeuten. Zu den Kriterien gehört, welche Sozialleistungen geboten und wie die Mitarbeiter ausgebildet werden. Es geht um die Frage, ob die Manager in der Zentrale ihre Einkaufsmacht nutzen, um Kinderarbeit bei Zulieferbetrieben in Schwellen- und Entwicklungsländern zu verhindern. Gleichzeitig fordert die Investmentgesellschaft Daten an, wie sparsam die Unternehmen mit Energie oder anderen Rohstoffen umgehen.

Inzwischen verzeichnet die Sam-Group lebhaftes Interesse an Lizenzen für Investmentprodukte auf Basis des DJSI. Das Volumen aller Investments, die sich ausdrücklich auf den DJSI beziehen, hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf rund 1,8 Milliarden Euro verdoppelt. Und der Dow Jones Sustainability hat Nachahmer gefunden. Im Oktober 2001 ging in London der FTSE4Good Europe 50 auf den Markt. Er beurteilt die größten europäischen Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit. Denn die Nachfrage nach ethischem Investment erweist sich als erstaunlich hartnäckig.

Schub durch Riester-Rente

Was die neuen Nachhaltigkeitsindizes von bisher bekannten Öko-Ratings unterscheidet, sind vor allem die klingenden Namen der Unternehmen.

Klassische Öko-Indizes wie NAX listen Unternehmen, die dem Ideal des nachhaltigen Wirtschaftens tatsächlich nahe kommen. Der DJSI dagegen sucht aus den 2000 Unternehmen, die im Dow Jones Global gelistet sind, die in Sachen Nachhaltigkeit besten zehn Prozent heraus. Er gibt interessierten Anlegern erstmals ein Instrument an die Hand, das ihnen hilft, etwa zwischen Royal Dutch und Exxon die ethisch richtige Wahl zu treffen. Der Index besteht aus ertragsstarken Blue Chips wie Unilever und Volkswagen. Das bringt Stabilität in die Depots. Und erstaunlicherweise Rendite. Denn in der Vergangenheit galt bei Geldanlagen die Regel: Wer ein gutes Gewissen haben will, muss Renditeverluste in Kauf nehmen. Umweltschutz und soziales Engagement wurden bisher auf den Kapitalmärkten automatisch mit suboptimalen Gewinnen assoziiert. Der DJSI hat hier Überzeugungsarbeit geleistet - indem er zeigt, dass er im Schnitt keine schlechtere Performance bietet als konventionelle Anlagen.

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