Ein Herz für Bilder

Künstler stiften ihre Werke für Charity-Auktionen, um die alten Meister in Dresden zu retten von Claudia Herstatt

Benefiz, Basar und Bettelei: In der Vorweihnachtszeit wird der mildtätige Mensch gern um einige klingende Münzen erleichtert. Aidskranke Waisen in Südafrika, drogenabhängige Kinder in Hamburg, knapp alimentierte Kunststudenten an der Akademie in München - ihnen allen soll geholfen werden.

Ein Weg zu helfen sind Versteigerungen. Die Spender dafür kommen meist aus Künstlerkreisen. Günther Uecker etwa rückt fast täglich ein Werk aus seinem Bestand für Charity-Auktionen heraus. Am 30. November um 18 Uhr steigen gleich zwei Auktionen, eine in Berlin und eine in Köln.

Anzeige

"Künstler helfen alten und neuen Meistern" heißt die Initiative von Bundesregierung, Achenbach Art Consulting und Sotheby's, weiteren Sponsoren und nicht zuletzt 46 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Der Erlös von geschätzten drei Millionen Euro geht an die vom Hochwasser geschädigten Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Auch wenn allseits betont wird, dass die dortigen Schausammlungen wieder geöffnet sind und Dresden wieder leuchtet, sind die tiefer liegenden Schäden dennoch längst nicht behoben. Zwar sind die überfluteten Depots inzwischen frisch geweißelt, doch will Generaldirektor Martin Roth sie nicht wieder in Betrieb nehmen. Die Versteigerung soll den Grundstock legen für neue, sichere Räume, in denen die bedeutenden Kunstschätze aufbewahrt werden. "Der Erhalt von Kulturgütern ist die vordringlichste Aufgabe für die Zukunft", sagt Martin Roth.

Für die Auktion in Berlin konnte als Erstes das 1989 entstandene, drei mal zweieinhalb Meter große und symbolträchtig Fels betitelte Gemälde des in Dresden geborenen Gerhard Richter eingeworben werden. Gebote jenseits der Millionengrenze liegen bereits vor. Die insgesamt 46 Werke wird Sotheby's-Geschäftsführer Philipp Herzog von Württemberg am Samstagabend in der Neuen Nationalgalerie Berlin zu, wie Koordinator Helge Achenbach es nennt, "ermutigenden Preisen" ohne Aufgeld aufrufen. Sie stammen alle von namhaften, international hoch gehandelten Künstlern wie Tony Cragg, Andreas Gursky, Eberhard Havekost, Candida Höfer, Rebecca Horn, Thomas Struth oder Rosemarie Trockel (Vorbesichtigungstermine unter www.achenbach-art-consulting.com).

Erhält diese Veranstaltung Rückenwind vom Bundeskanzler, so beschirmt der Präsident des Deutschen Bundestags, Wolfgang Thierse, mit einem Grußwort die zur selben Stunde stattfindende, nicht weniger ambitionierte Versteigerung im Kölner Kunsthaus Lempertz, allerdings mit preislich bescheideneren Erwartungen. Mehr als sechzig vornehmlich deutsche und russische Künstlerinnen und Künstler haben Werke eingereicht, um dem Internationalen Museum für verfolgte Kunst Israel e. V. in Aschdod bei Tel Aviv zu helfen, eine Forschungsstätte zu betreiben und Ausstellungen zu organisieren. Den Grundstock verdankt das neue Haus dem in Köln lebenden Galeristen- und Sammlerpaar Kenda und Jacob Bar-Gera mit Werken verfemter, verbotener und ermordeter Künstler des 20. Jahrhunderts.

Mit insgesamt 400 Werken, darunter zahlreichen Leihgaben, wird das erste Museum seiner Art am 10. Mai 2003 eröffnet. Ein aktiver Förderverein akquirierte Werke, die von 150 Euro für einen Siebdruck von Klaus Staeck bis zu geschätzten 12 000 Euro für eine Acryl-Komposition auf Leinwand des 1937 in Moskau geborenen Eduard Schteinberg versteigert werden. Der Katalog listet Skulpturen von Horst Antes auf, von Otto Herbert Hajek, Heinz Mack, Menashe Kadishman und Thomas Virnich, dazu Arbeiten von Ulrich Erben, Jürgen Partenheimer, Magdalena Jetelova, Gustav Kluge und Günther Uecker (Vorbesichtigungstermine unter www.lempertz. com).

330 000 Euro brachte eine Auktion, die der Verein der Freunde der Nationalgalerie Berlin zu seinem 25-jährigen Bestehen zugunsten des Hauses auf die Beine stellte. Zehn Prozent davon gingen an den flutgeschädigten Dresdner Zwinger. Auch hier bestand die Künstlerliste aus prominenten Namen: Dieter Appelt, Georg Baselitz, Christo, Günther Förg, Robert Longo, Neo Rauch, Carsten und Olaf Nicolai oder Katharina Sieverding. Künstlern, von denen man annehmen kann, dass sie es sich leisten können, Dinge wegzugeben, die dann zumeist unter Marktwert verkauft werden. Häufig angefragt werden aber auch Kunstschaffende, die selbst um ihr Überleben kämpfen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service