Direkt hinter der Ausfahrt Empoli an der dröhnenden Superstrada Pisa–Firenze lauern schwer bewaffnete Polizisten und halten Autos an. Sieht aus wie eine Verkehrskontrolle, ist aber keine. Die Beamten sind von der Forstpolizei und winken Tanklaster und Traubentransporter raus. Sie haben es nicht auf Temposünder abgesehen, sondern auf Weinfälscher.

Weinfälscher? Von denen gibt es viele in Italien, vor allem in diesem Jahr. 2002 ist ein besonders schlechter Jahrgang. Wochenlanger Regen hat einen großen Teil der Ernte zerstört. Die Preise für Trauben, Most und Wein werden steigen. Eine Katastrophe für all jene Abfüller, die feste Lieferverträge mit deutschen Discountern abgeschlossen haben. Sie müssen teurer einkaufen als geplant, können aber den Verkaufspreis nicht mehr anheben.

So bleibt ihnen nur die Wahl, mit Verlust zu liefern, Vertragsstrafen zu zahlen oder aber „die Papiere zu korrigieren“, wie Weinfälschung in Italien vornehm umschrieben wird. „Zur Erntezeit besorgen sich die Weinfälscher dann Trauben oder Wein aus anderen Gebieten als angegeben“, sagt Commissario Luigi Bartolozzi von der Forstpolizei. Sie holen sich billigen Wein aus dem Süden und deklarieren ihn als teuren Wein aus dem Norden.

Sieht so aus, als würde 2002 doch noch ein gutes Jahr – allerdings nur für die Panscher.

Auch in der Anbauzone Prosecco di Valdobbiadene e Conegliano kennt man das Problem der Weinfälscherei. Das Zertifikat Denominazione di Origine Controllata (DOC) garantiert die Herkunft der Schaumweine aus dem kleinen Anbaugebiet. Höchstens 38 Millionen Flaschen geben die Weinberge her – deshalb kostet eine Flasche DOC-Prosecco mindestens vier Euro in Deutschland. Nur beim Handelsgiganten Aldi nicht, dort geschah ein Wunder: Über Jahre wurde der DOC-Prosecco für konkurrenzlos billige 1,99 Euro verkauft, etwa drei bis vier Millionen Flaschen im Jahr.

Bereits im Jahr 2000 informierte das Prosecco-Schutzkonsortium die Aldi-Süd Chefeinkäufer in Mülheim persönlich über den Verdacht der Weinfälschung. Diese reagierten jedoch gelassen und hielten am Lieferanten Cesare Grossi wie auch am Verkaufspreis fest – selbst als die italienische Justiz auf Initiative der Betrugsbekämpfungsbehörde Repressione Frodi aktiv wurde. Im vergangenen Oktober schließlich erging das Urteil: acht Monate Haft auf Bewährung für den geständigen Aldi-Lieferanten, weil er 3,3 Millionen Flaschen Prosecco gefälscht und in den Handel gebracht hat.

Der Fall Grossi ist einzigartig, denn die italienische Justiz ahndet Weinfälschungen selten. Doch Grossi trieb es zu weit: In seiner Abfüllanlage deutet nur ein vergilbter Zettel mit dem Firmennamen an der Klingel darauf hin, dass dies der Geburtsort des in Deutschland meistgetrunkenen Prosecco ist. Auch unerfahrene Weineinkäufer hätten beim Anblick der ehemaligen Hühnerfarm mit ihren 40 rostenden Tanks stutzig werden müssen.

Kaum ein Fälscher wird entdeckt