Wir befanden uns in Orlik, im Staate Tschechien. Die Ordnungskräfte dort verwenden ähnliche Sirenen wie die in den Vereinigten Staaten von Amerika. Solch eine Sirene jedenfalls ertönte hinter unserem BMW X5, als wir eine Stausee-Lagune für eine ausgedehnte Schlammübung nutzten. Nur der anhaltende Verbleib im Kickdown-Bereich des Automatikgetriebes und ein völlig verschlammtes Kennzeichen verhinderten einen persönlichen Kontakt zur devisendurstigen Staatsmacht.

»Das hätte sehr teuer werden können«, sagte uns Sophia Krumphanzlova später in Deutschland. Wir standen in der Werkstatt ihres Mannes im Berliner Stadtteil Wedding. Sophia stammt aus Mohelnice bei Prag, arbeitet in Berlin als Polizistin und ist mit dem Türken Ugur verheiratet, der im Wedding diese BMW-Werkstatt betreibt. Unsere teure Niveauregulierung hatte schlappgemacht, bei einem Kilometerstand von gerade mal 5000. Die Niveauregulierung dient dazu, den mehr als zwei Tonnen schweren Wagen vor allem in schwerem Gelände auszubalancieren. Drückt man auf einen Knopf, hebt sich der Wagen nach oben und bietet somit zwischen Erde und Unterboden des Autos mehr Geländefreiheit. Sie schaltete sich ausgerechnet in einem Moment ab, als ein Baumstamm von etwa 30 Zentimeter Durchmesser im Weg war. Schade.

Ugur sah zunächst etwas skeptisch auf das massige Auto, in dem er mehr Elektronik vorgefunden hatte, als ihm bisher in einem Auto begegnet war: elektrisch absenkbares Lenkrad, Klimaautomatik, Abstandswarnanlage, sechs Airbags, Bordcomputer, Navigation, Farbfernsehgerät, CD-Wechsler, eine Unmenge an Funktionsschaltern für Spiegel, Licht und Sitze, Standheizung, 5-Gang-Automatikgetriebe und allerlei elektronisch festzurrbare Gurte für das Verstauen großer Dinge. Ugur, der das Auto ausführlichst untersuchte, sagte dennoch mit Fassung: »Fahr mal ohne DSC los.« Dieses Kürzel steht für eine Funktion, die beim Anfahren das Durchdrehen der Reifen verhindern und den Wagen in der Kurve stabilisieren soll.

Wir fuhren den Wagen raus und gaben Gas. Es quietschten die Reifen, es rauchte der Gummi: 184 PS mit durchgedrücktem Gaspedal zu aktivieren ist lustig und kostet etwas Kraftstoff. Die bei BMW übliche Verbrauchsanzeige blieb bei dieser Aktion am rechten Ende des Spektrums kleben. »Und jetzt«, sagte unser BMW-Spezialist nicht ohne Anerkennung, »schalte die Niveauregulierung wieder ein. Wahrscheinlich nur ein Missverständnis zwischen zwei unterschiedlichen Systemen.« Der Mann hatte Recht, die Regulierung funktionierte wieder. Die elektronisch gesteuerte Stabilitätskontrolle (der Aufpasser) und die Aktivierung von Kräften zur Überwindung von Hindernissen (der Antreiber) hatten sich für kurze Zeit einfach nicht verstanden.

Die X5-Erfinder scheinen ein Feindbild gehabt zu haben: unseren alten Planeten Erde. Mit den vorhandenen Bordmitteln besiegt man auf seinen Wegen beinahe jedes Naturereignis. Keine seitliche, vordere oder hintere Unebenheit, die den Warnsensoren entginge; keine Bodenwelle, die von der Niveauregulierung nicht blitzschnell vermessen würde; keine zu heiße Sonnenstrahlung, die die Klimaautomatik nicht augenblicklich wegkühlte; keine größere Wasseransammlung, die von den vier Geländereifen nicht spürbar sicher durchteilt würde.

Aber ist dieser BMW auch ein wirklich fabelhafter Terrainkämpfer? Er hat keine Differenzialsperre und keine separate Geländeuntersetzung wie konventionelle Geländewagen. Langsames Klettern auf einen steilen Berg mit tiefen Furchen fällt aus. Ebenso fehlt das flexible Fahrwerk, das man braucht, wenn es über extrem bucklige Pisten geht, bei denen die Räder viel Spiel nach oben oder unten brauchen. Immerhin sorgen der Allradantrieb und die ausgezeichnete Abstimmung von Fahrwerk und Bremsen dafür, dass man auch auf ausgefahrenen Wegen mit der Klasse eines Luxuswagens vorwärtskommt.

Die wahre Freude am Fahren hat bei jedem BMW aber vor allem einen Grund: Das ist der Motor. Er ist auch bei diesem Gefährt das beste Stück. Eine turboaufgeladene 6-Zylinder-Reihenmaschine, die 184 PS mobilisiert. Ein High-Tech-Diesel, der ein hohes Tempo erlaubt und dabei nur mäßig durstig ist. Und fuhren Benziner früher den meisten Dieseln auf und davon, ist das heute oft sogar umgekehrt: Die Turboaufladung sorgt für ein höheres Drehmoment, das dem Wagen einen kräftigeren Schub verleiht.

Dieser Diesel ist bei von 0 auf 100 zwar etwas langsamer als sein spritgetriebenes Pendant, der BMW 3,0 i: Er braucht eineinhalb Sekunden länger. Dafür kann der Dieselpilot richtig sparen: 14 Liter bei Vollgas auf 100 Kilometer schlagen zu Buche. Davon kann der Benzinfreund nur träumen, der mit mindestens 20 Litern rechnen muss. Die Extraausstattung mit Automatikgetriebe ist nur zu empfehlen: Sie passt gut zum Charakter dieses Autos, mit dem man auch entspannt cruisen kann, ohne den starken Mann zu markieren. Zuckt es dennoch im rechten Fuß, nutzt die Automatik das Leistungsspektrum des Motors überzeugend aus. Man spürt die lange Untersetzung des Antriebs, was zu höherer Leistung führt. Das Prestige des Autos, die Extras wie Niveauregulierung, Automatik, Xenonlicht und Navigation haben allerdings ihren Preis: Auf die ohnehin happigen Basiskosten von 42000 Euro kann man spielend 10000 Euro aufsatteln – und fühlt sich noch immer nicht wie im Himmel.