Die ZEIT: Ihr jüngstes Kind geht noch zur Schule. Hat sich dort ein Jahr nach Veröffentlichung der Pisa-Studie etwas verändert?

Renate Hendricks: Davon ist leider nichts feststellbar. Jeder Versuch, über Veränderungen zu reden, trifft auf den Widerstand der Lehrer.

ZEIT: Woran liegt das?

Hendricks: Lehrer haben nicht gelernt, offen über Probleme zu reden. Es gibt in der Schule viele Tabus. Zum Beispiel habe ich einem Schulleiter kürzlich ganz harmlos vorgeschlagen, einen Fragebogen zum Schulfest zu verteilen, um herauszufinden, was die unterschiedlichen Gruppen von der Feier erwarten. Die Reaktion war: Nein, bitte keinen Fragebogen, das bringt immer nur Unruhe in die Schule.

ZEIT: Eltern, deren Kinder jetzt zur Schule gehen, können nicht auf langwierige Reformen warten. Was können sie konkret tun?

Hendricks: Ich rate ihnen, pädagogische Zirkel einzurichten und Lehrer an diesen Zirkeln zu beteiligen.

ZEIT: Was können solche Zirkel leisten?