Der Kulturbetrieb hat so angenehme Bequemlichkeiten; es gelten überschaubare Vereinbarungen – wenn nicht gar Verabredungen. Überprüft mögen die, bitte, nicht werden. Als unumstößlich wird ausgerufen, Andy Warhol sei Maler, Michael Jackson könne singen oder ein Modefuzzi namens Lagerfeld – dessen Knipsereien den Charme von Muttis Gran-Canaria-Aufnahmen haben – sei Fotograf. Man muss es nur wiederholen (lassen) in der Schallverstärkerpresse. Stellt die jemanden in die Reihe Goethe, Schiller, Klopstock, will die andere nicht hintanstehen und ruft den Autor zum „Nachfolger Brechts“ aus oder lobpreist mit unwiderlegbarem, weil sinnleerem Tremolo, „Gernhardt macht Worte, die das Zufriedensein mit Worten aufstören“. Schon trompetet ein Werbetext „der bedeutendste deutsche Lyriker der Gegenwart“. Was bleibt einem gelenkigen Reimeschmied – „der Reim muß bleim“ –, als sich ruhmgramgebeugt zu dünken, er sei Lyriker.

Ist er nicht. Seit Jahr und Tag liefert Robert Gernhardt jene flott gemusterte Meterware, die gemeinhin die berüchtigte Cousine ausspannt beim Kaffee-und-Kuchen-Geburtstag:

Der Reiher auf dem Eise steht,

Ahnt er, wohin die Reise geht?

...

Im Sommer war der Weiher blau.

Im Schnee sind alle Reiher grau.