Ein Himmelsgericht kommt dem Verräter vor Augen, und er will es nicht wahrhaben. Weggefährten von einst kreuzen seinen Weg, und er hofft, ihnen zu entkommen. Sein Glück wird immer brüchiger, und er glaubt, seiner Bestimmung entfliehen zu können. Sein Schicksal aber erfüllt sich genau so, wie er es schon immer befürchtet hat.

Der namenlose Tagedieb hatte einst eine Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Er war der Versuchung erlegen, hatte verraten und betrogen und darauf seinen Erfolg gegründet. Dann tat er jahrelang sein Bestes, wurde fleißig, liebte aufrichtig, war gottesfürchtig und gerecht. Aber er hatte eine Ordnung durcheinander gebracht, und der Dichter wollte dies wieder geraderücken mit seiner Poesie, den Lesern ein Gleichnis schaffen, damit sie Orientierung fänden in heilloser Zeit.

Leo Perutz war ein viel gelesener Schriftsteller in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, er galt als einer der besten Erzähler seiner Zeit. Spannend und unterhaltsam schrieb er, Traumgestalten und Visionen schuf er, die Wirklichkeit stellte er infrage. Er verfasste Bestseller, er war bekannt und gehört, bis die Deutschen auch ihm den Weg abschnitten und er nach Palästina auswanderte, arm und vergessen endete.

Anfang des 18. Jahrhunderts ist die vorliegende Sage angesiedelt. Der schwedische König KarlXII. zog gegen Russland, ein „Gefecht von Golskwa“ wird genannt und „bei Poltawa eine große Schlacht“. Ein „schwedischer Reiter“ taucht auf, gleich zu Beginn. Ein tapferer Soldat sei er gewesen, heißt es, bis zum Rittmeister und Kommandanten bei den Dragonern habe er es gebracht und sein Leben schließlich auf dem Feld der Ehre gegeben.

In Wirklichkeit ist von zwei Männern die Rede. Christian von Tornefeld ist ein Hochwohlgeborener, ein Adliger, der vom rechten Weg abgekommen war, desertiert vom Heer, zerlumpt nun, ängstlich und vogelfrei. Der andere ist ein Landstreicher und Tagedieb, ein armer Teufel, namenlos, halb verhungert und mutterseelenallein, vom rechten Weg hatte er nur aus Erzählungen gehört. Sie sind beide verzweifelt, sie sind beide auf der Flucht, und sie lassen sich in ihrer Ausweglosikeit auf einen Tausch ein. Der eine gibt sich für den anderen aus, und sie hoffen, ihr Schicksal dadurch meistern zu können. Es gibt aber keinen Ausweg aus der Verstrickung, kaum einer entkommt der Knochenmühle.

Die Welt ist voller unwirklicher Gestalten und Visionen. Kriegerisch geht es zu, gottlos und verroht. Räuberbanden ziehen plündernd über die Dörfer, die Staatsgewalt ist voller Willkür. Der Adel wuchert, die Geistlichkeit ist gottlos, jeder versucht irgendwie zu seinem Recht zu gelangen.

Der Dichter schildert Sitten und Traditionen, er beschreibt Waffen und Kostüme, er nennt Maßeinheiten und Währungen. Ja, so wird es gewesen sein, denkt man sich. Und auch wenn einiges nur mit dem Lexikon oder etwas Allgemeinwissen zu deuten ist, auch wenn manches geziert und ungewohnt daherkommt, die Vergleiche so blumig wie im Arabischen klingen, die Umgangsformen gewählt wie bei Hofe – das Buch nimmt gefangen, der Erzähler bleibt klar und deutlich, humorvoll auch, ganz gegenwärtig.

„Der historische Roman“, hatte Perutz einst geklagt, „hat immer wieder an der Papiersprache gekrankt, die man ihm aufgezwungen hat. (…) Ich bemühe mich immer, so zu schreiben, wie meine Großmutter mir Geschichten erzählt hat.“