Um Norman Rentrop zu verstehen, hilft es, sich zehn Minuten lang vorzustellen, wie es ist, wenn der liebe Gott einem nicht einen, sondern zwei Doppelzentner Talent mitgibt.

Norman Rentrop ist das älteste von fünf Geschwistern und geht von Anfang an auf die besten Schulen. Eine evangelische Grundschule. Ein Jesuitengymnasium. Die anglikanische Privatschule Eton. Er ist der Beste – in ganz Nordrhein-Westfalen.

Aus Langeweile verlegt er eine Schülerzeitung, schreibt für ein Bonner Jugendmagazin, arbeitet für die Bonner Rundschau, entwickelt ein Anzeigenblättchen, bis der ortsansässige Zeitungsverlag zur Gegenoffensive startet, Rentrop versemmelt 10000 Mark, selbst das Scheitern fiel ihm leicht – und hat immer noch nicht genug. Also gründet er noch einen Verlag. Mit achtzehn.

Das alles muss man sich zehn Minuten vergegenwärtigen. Was für ein Typ wäre man? Großzügig? Arrogant? Ewig hungrig?

Kaum in seinem Büro angekommen, sagt Norman Rentrop Sätze wie: „Fange nie an aufzuhören. Höre nie auf anzufangen.“ Er hätte auch sagen können: Man darf hinfallen, muss aber wieder aufstehen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Früher Vogel fängt den Wurm. Solche Sätze stößt der Verleger aus wie andere Menschen Kohlendioxid. Sein holzvertäfeltes Büro in Bonn-Bad Godesberg liegt in einem alten Bürgermeisterhaus. Knarrende Holztreppen, hohe Decken und überall Sprüche. Schon in der Empfangshalle wird man begrüßt: „Herzlich willkommen.“ Der Spruch des Tages: „Im Hafen ist ein Schiff sicher… doch dafür werden Schiffe nicht gebaut.“ Auch in Rentrops Büro hängen Sprüche wie an einer Wäscheleine. „Gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und gib mir die Weisheit, zwischen beidem zu unterscheiden.“ Auf sein Telefon ist ein Spiegel montiert. Darunter steht: „Lächele, dein Partner kann es sehen.“

Norman Rentrop, das Doppelzentner-Talent, gründete 1975 den VNR Verlag Norman Rentrop. „Er war damals hoch konzentriert und hoch intelligent. Das konnte man an seiner Seite nur ertragen, wenn man selber nicht zu kompliziert war“, sagt sein ehemaliger Schulfreund und späterer Verlagspartner Michael Rieck über die gemeinsamen Jahre. Heute gehören zu der Verlagsgruppe auch der FID Fachverlag für Informationsdienste und der ADI Auftragsdienst der Deutschen Industrie dazu. Der VNR Verlag hat 2001 mit Periodika wie Der Reden-Berater, PC-Jobs – Wie Sie mit Ihrem PC reich werden, Handbuch für den Vorgesetzten rund 77,3 Millionen Euro Umsatz gemacht. Bekannt geworden ist Rentrop vor allem durch die Geschäftsidee“, ein aus Amerika übernommenes Zeitschriftenkonzept, das pfiffige und bereits erprobte Innovationen vorstellt. „Am meisten wurden wir wegen des Dachrinnenreinigungsservice belächelt“, sagt er. Und lacht nicht.

Der rheinische Jeck