verpackung Unser Geschenk zu Weihnachten

Dass Sie mit unserer Zeitung alles Mögliche machen, nachdem Sie sie gelesen haben (oder sogar ohne sie gelesen zu haben?), ist uns nicht entgangen. Wir wissen, dass die ZEIT gerade im Dezember gern zum Ausstopfen schneenasser Schuhe oder Einpacken sperriger Geschenke genommen wird. Geschenkt! Wie im vergangenen Jahr haben wir zwei Künstler gebeten, zu Weihnachten aus einer Doppelseite ein Geschenkpapier zu machen.

Die Arbeit der New Yorker Künstlerin Jenny Marketou finden Sie hier , die von Do-Ho Suh auf den Seiten 58 und 59 dieser Leben-Ausgabe. Wenn Sie die Doppelseite aufschlagen, werden Sie wahrscheinlich erst ein Muster in weihnachtlichen Farben sehen, aber, wie oft in dieser Zeitung, lohnt sich eine eingehendere Beschäftigung mit dem Gedruckten. Bei näherem Hinsehen also werden Sie sehen, dass unser Geschenkpapier in Wirklichkeit aus etwa 26000 Porträtfotos besteht. Es schauen Sie an: Schüler, die zwischen 1936 und 1983 eine christliche Missionarsschule in Südkorea besuchten und so für ihr »High School Yearbook« fotografiert wurden. Die letzten Fotos stammen aus dem Jahr, in dem Do-Ho Suh die Schule verließ und in Seoul begann, Kunst zu studieren. Heute ist der 40-Jährige Südkoreas bekanntester junger Künstler, er vertrat das Land auf der letzten Biennale in Venedig mit einer Arbeit, der sich die Besucher, wie es immer heißt, nicht entziehen konnten. Man lief in einen Raum und merkte plötzlich, dass der Boden eine Glasplatte war, die von Zehntausenden kleiner Plastikfigürchen asiatischen Aussehens gehalten wurde, die ihre Händchen nach oben streckten, um uns zu tragen. Ob man weitergehen durfte? Umkehren sollte? Man kam sich sofort unmoralisch vor und dazu wahnsinnig groß und schwer. Die meisten Besucher machten schließlich einfach ein Foto, und so wurde Do-Ho Suhs Floor vielleicht das am meisten fotografierte Exponat dieser Biennale. Wie in den meisten seiner Arbeiten beschäftigt er sich mit der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft, Menschenmassen, die wie auf unserem Geschenkpapier zum Muster werden und bei näherem Hinsehen wieder zum Menschen.

Beim Auspacken von Geschenken gibt es zwei Schulen: Die einen reißen das Papier auf, die anderen entfernen vorsichtig das Klebeband wie ein Pflaster von einer nicht ganz verheilten Wunde. Vielleicht fürchten sich Letztere ein wenig vor dem, was da zum Vorschein kommen mag, vor den nicht erratenen Wünschen, der falschen Farbe, den (wie immer) vergessenen Batterien. Und stellen sich beim Auspacken vielleicht die klassische Weihnachtsfrage: Wer bin ich, was soll ich hier, oder wie Do-Ho Suh es ausdrückt: »Kollektive Feste wie Weihnachten werfen die Frage nach der Selbstdefinition des Einzelnen auf.« Sollten Sie sich mit solchen Fragen herumquälen, sind Sie immerhin nicht allein, und davon handelt unser Weihnachtspapier.

Die Geschenkpapierentwürfe als gif-Datei zum Anschauen

von Jenny Marketou »
von Do-Ho Suh »

Und als pdf-Datei zum Runterladen und Speichern auf dem eigenen Rechner

von Jenny Marketou »
von Do-Ho Suh »

Für einen Ausdruck empfehlen wir, die rechnerspezifischen Einstellungen so zu wählen, dass der Bogen entweder auf DIN A4 oder DIN A3-Format ausgedruckt werden kann

 
  • Quelle (c) DIE ZEIT 51/2002
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