Vielleicht ahnt George W. Bush, dass der Krieg, den er schon in wenigen Wochen führen könnte, allenfalls den Schurken Nummer zwei trifft. Denn in der Konkurrenz um die ruchloseste Despotie wird Saddam Hussein von Nordkoreas Diktator Kim Jong Il locker abgehängt. Der Herrscher über den furchtbarsten Terror-Staat der Gegenwart fordert die Supermacht genau in dem Moment heraus, da sie in Bagdad den "Regimewechsel" erzwingen will.

Auch in Nordkorea gibt es noch nicht den Beweis "in der Form eines Atompilzes", auf den der amerikanische Präsident im Irak nicht warten möchte.

Aber anders als Saddam gibt Kim seine Nuklearpläne offen zu. Schon im Oktober räumte er ein, wieder mit der Anreicherung von Uran begonnen zu haben, die er nach einer mit Amerika 1994 getroffenen Vereinbarung eingestellt hatte.

Vorige Woche kündigte das Regime nun auch die Wiederaufnahme seines Plutoniumprogramms an und verlangte von der Internationalen Atomenergiebehörde, die an den Nuklearanlagen angebrachten Siegel und Überwachungskameras zu entfernen.

Raketen als Exportschlager

Wenige Tage zuvor hatten spanische Elitesoldaten im Arabischen Meer den nordkoreanischen Frachter So San aufgebracht. Die Fracht: 15 Scud-Raketen, verborgen unter 40 000 Zementsäcken. Bestimmungsort: Jemen. Doch weil der Jemen derzeit ein geschätzter Partner in der "Allianz gegen den Terror" ist, erlaubten die Amerikaner nach dem bravourösen Einsatz der spanischen Armada die Weiterfahrt der So San nach Aden. Die Raketen hätten aber ebenso gut in den Iran, nach Libyen oder Syrien, gar in den Irak gehen können. Sie alle stehen auf Kims Kundenliste, der die Hälfte der Exporterlöse seiner ruinierten Volkswirtschaft mit dem Verkauf von Raketen erzielt.

Bedenkt man, dass Nordkorea längst auch Langstreckenraketen entwickelt hat, dass es vielleicht schon Interkontinentalraketen baut