Reinhard Richter ist ein penibler Buchhalter. Die Quittungen und Monatsabrechnungen heftet er alle in einem weißen Aktenordner ab. "1400 Pfandflaschen habe ich in diesem Jahr gesammelt", sagt der 43-Jährige. Seit 14 Jahren reist Richter durch den Norden Deutschlands, harkt aus Büschen und stochert aus Containern, was leer getrunken und weggeworfen wurde. Abend für Abend, Wochenende für Wochenende, bei Hitze oder Sturm ist der Husumer mit dem Zug, seinem pinkfarbenen Fahrrad oder dem selbst gebastelten Rollwagen unterwegs, um seine Kasse etwas aufzubessern.

Auf die Einführung des Dosenpfandes freut sich Richter, der in einer Behindertenwerkstatt arbeitet, schon heute. "1000 Dosen - da bekomme ich 250 Euro für", sagt er. 25 Cent soll es künftig für die Rückgabe von Getränkeblech geben. "Ein besserer Preis als in Schweden, da gibt es nur 21 Cent Pfand pro Büchse", urteilt der Sammler fachmännisch. Seine Rechnung wird allerdings nur aufgehen, wenn keine Pfandmarken eingeführt werden. Denn dann könnte nur der Käufer selbst seine leere Büchsen in Bares umtauschen. Wie die Verbraucher, Hersteller und Einzelhändler "das mit dem Dosenpfand alles machen wollen", ist Richter allerdings ein Rätsel.

Er wird weiter durchs Land ziehen und Husum, die graue Stadt am Meer, verlassen

um beim quietschbunten Schlager-Move in Hamburg oder bei Musikfestivals in der holsteinischen Provinz dasjenige in Mehrwert zu verwandeln, was vom Spaße übrig blieb. Das Geld für die Fahrkarte zum Kirchentag in Berlin im kommenden Jahr hat sich Richter in den vergangenen Wochen gesammelt. Und seinem Chef hat er endlich die Bettwäsche vom Hamburger SV geschenkt.

Richter hofft, dass ihm die Einführung des Dosenpfandes fette Jahre beschert - seinen Verhältnissen entsprechend. "Bislang kann man leere Dosen ja noch nicht mal beim Schrotthändler abgeben", sagt er.

Zum Jäger und Sammler wurde Richter übrigens durch die heute längst abgeschafften Butterfahrten nach Dänemark. Bis zu 1000 Budweiser-Flaschen haben die Reisenden jedes Mal auf dem Schiff zurückgelassen. Pfandfreies Glas zwar, die Rücknahmeautomaten schluckten es trotzdem. Doch nicht immer hatte Richter Glück. Einmal ist er fast selbst geschluckt worden: von einem frisch geleerten Container, in den der Sammler hineingeklettert war. Nur mit viel Geschick fand er damals wieder heraus.