Möglicherweise wird nicht jedem Leser die Spaltung der Württembergischen Fortschrittspartei im Jahre 1864 gegenwärtig sein, weshalb hier aus gegebenem Anlass daran erinnert werden muss. Kurz darauf kam es nämlich in Stuttgart zu einem Ereignis, das die Erben besagten Fortschritts noch heute feiern: das Dreikönigstreffen, ursprünglich eine Zusammenkunft zahlreicher demokratischer Volksvereine. Womit wir bei Jürgen Möllemann wären, der, wie wir gerade lesen, sein politisches Comeback (war er je weg?) nun doch noch nicht rechtzeitig zum Dreikönigstreffen der FDP im Januar feiern möchte.

Wie schade! Es hätte so schön sein können: der deutsche Liberalismus zurück an seinen Wurzeln, zerstritten wie eh und je. Der liberale Fallschirmspringer, in Personalunion vereinigt mit der Volksfront zur Befreiung Palästinas (dt. Sektion), kommentiert ein Treffen der Freiheitlichen Ulknudeln, der Bundesvereinigung der Besserverdienenden und Leistungsträger, des Verbandes der Steuerhinterzieher und Finanzamtsblockierer und ihres gemeinsamen "Kanzlerkandidätchens" (Möllemann). Und alle würden nach Herzenslust debattieren, Manifeste verfassen und Umzüge veranstalten.

Endlich wären die Liberalen wieder ganz bei sich. Denn der natürliche Zustand dieser wunderlichen geistigen Strömung, das geriet in den Jahren der Regierungsbeteiligung in Vergessenheit, ist ja nicht die Partei, sondern es ist die Bewegung - wobei diese spezielle Bewegung eben seit jeher die Eigenheit hat, eine Partei sein zu wollen.