Ganz gleich ob Dax oder Dow: Die Aktienindizes kennen auch in diesem Jahr nur eine Richtung – nach unten. Dennoch gibt es einzelne Aktien, die sich dem Gesetz der Schwerkraft entziehen. Der Börsenkurs des Logistikspezialisten Stinnes etwa verdoppelte sich binnen Jahresfrist, weil die Deutsche Bahn AG den Aktionären ein Übernahmenangebot machte. Inzwischen besitzt die Bahn mehr als 99 Prozent der Stinnes-Aktien; die ehemaligen Stinnes-Aktionäre wiederum haben ein Schnäppchen gemacht.

Kursgewinne gab es in diesem Jahr auch bei den Aktien der Bäckereikette Kamps, die vom italienischen Nudelfabrikanten Barilla geschluckt wurde, oder beim Chemiekonzern Degussa. Kein Wunder, dass die Anleger in der Börsenflaute nun gezielt nach Aktiengesellschaften suchen, die als Übernahmekandidaten gehandelt werden.

Als aussichtsreich gelten Unternehmen, deren Bewertung sehr niedrig ist – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis oder dem Verhältnis von Aktienkurs zum Buchwert. Nach dem Kursverfall an den Börsen erscheinen viele Unternehmen heute zumindest optisch günstig.

Eine Studie der WGZ-Bank sieht die Übernahmekandidaten vor allem im MDax, dem Index der 70 größten Unternehmen, die auf die 30 Dax-Werte folgen. Die Bankexperten denken zum Beispiel an die Heidelberger Druckmaschinen AG, den Maschinenbaukonzern IWKA oder den Mischkonzern mg Technologies.

Manchmal erfordert die Spekulation auf eine Übernahme allerdings einen langen Atem – und viel Geld, um die Verluste einer enttäuschten Hoffnung zu tragen. Das wissen die Aktionäre der Commerzbank. Seit Jahren gilt das Bankhaus als Übernahmekandidat; bislang passierte nichts. Die Aktie, die Mitte 2000 noch mehr als 40 Euro kostete, bekommt man heute für ein Fünftel.

Enttäuschung gab es in jüngster Zeit auch beim Hamburger Beiersdorf-Konzern. Angeblich will sich Großaktionär Allianz von seiner Beteiligung am Nivea-Hersteller trennen. So trieb das Gerücht, der französische Kosmetikkonzern L’Oréal wolle sich den Hamburger Konkurrenten einverleiben, den Aktienkurs von Beiersdorf im Frühjahr auf mehr als 140 Euro. Mittlerweile ist es ruhiger um das Unternehmen geworden, der Börsenkurs fiel auf knapp 110 Euro.

Am härtesten aber traf es jene Aktionäre, die ihr Geld vergangenen Winter auf den angeschlagenen Maschinenbauer Babcock-Borsig setzten. Spekulationen auf eine Übernahme trieben den Kurs auf mehr als 12 Euro. Heute ist Babcock insolvent und die Aktie mit Kursen um 30 Cent nur noch ein Pennystock. Gerhard Maier