Kein Licht im Schacht: Vier Jahre lang hat der Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) im Auftrag von Bundesumweltminister Jürgen Trittin gebrütet. In ihrem Abschlussbericht empfehlen die Experten diese Woche den völligen Neubeginn: Zunächst im öffentlichen Diskurs "einen Konsens über den Weg zur Auswahl eines Endlagerstandortes" erarbeiten. Dann unter "möglichst hoher Beteiligungsbereitschaft der regionalen Bevölkerung" mehrere Endlagerregionen finden und für diese "Entwicklungskonzepte" erstellen. Dann zwei Standorte untertägig erkunden und den sichersten ausspähen. Alles völlig transparent.

Ein basisdemokratischer Traum fern jeder Realität. Niemand weiß, wer die Milliarden für die Neusuche bezahlen soll. Die Industrie winkt bereits ab. Und der Staat ist so klamm, dass die rot-grünen Politiker es nicht einmal wagen, die investierten zwei Milliarden Euro für Gorleben und Schacht Konrad abzuschreiben. Es herrscht Stillstand. Mitglieder des AkEnd warnen, das bis 2030 angestrebte Endlager sei kaum mehr erreichbar.

In krassem Gegensatz hierzu forderte jüngst die atomfreundliche EU-Energiekommissarin Loyola de Palacio in einem Richtlinienentwurf, die Mitgliedsstaaten sollten bis 2008 Standorte für Endlager ausgesucht und diese bis 2018 betriebsfertig haben. Ihre Anregung, in einem Endlager den Müll mehrerer Staaten zu entsorgen, stieß in Berlin auf helle Empörung. Nur ja kein Import, es gelte der "Grundsatz der nationalen Endlagerung".

Angesichts internationalisierter Strommärkte und der EU-Erweiterung ist dies ebenfalls weltfremd. Sollen Malta, Luxemburg und Litauen eigene Endlager bauen für Strahlenmüll aus Kraftwerken, Kliniken und Labors? Die Dauerkämpfe um die acht "Schrottreaktoren" in Litauen, Bulgarien und in der Slowakei oder zwischen Österreich und Tschechien um die Reaktoren von Temelín lassen sich nur durch EU-weite Sicherheitsstandards lösen. Die nukleare Sanierung im Osten wird Milliarden kosten. Und keiner will zahlen.

Doch das Volk wünscht sich EU-weite Endlager. Das besagen aktuelle Umfragen. Sie ergaben auch, dass bei gelösten Entsorgungsproblemen die Popularität der Kernenergie deutlich steigen werde.

Atomkraft könnte bald wieder in sein. Nun verstehen wir, warum die EU Dampf macht. Und Rot-Grün erst endlagern will, wenn der letzte Meiler geschlossen, der letzte Atomfreak verblichen ist. Hans Schuh