Er wollte Zirkusdirektor werden als Kind und ist es geworden, einer der rühmenswertesten, der folgenreichsten, der umtriebigsten Direktoren im Literaturzirkus: Dichter, Romanautor, Professor gar, Großkritiker, als es so etwas noch gab, Organisator, Literaturzeitschriftengründer, Entdecker, Förderer, Vermittler, Agent provocateur, das alles in unerlernbarer Heiterkeit und bayerischer Noblesse. Kein Studiengang Kulturmanagement wird einen solchen je hervorbringen. Ohne Walter Höllerer, der am 19. Dezember 80 Jahre alt wird, sähe die literarische Republik anders aus. Nie hätten wir ganze Sommertage am Sandwerder im Wannseegarten, nie unsere Tage mit Gesprächen und unsere Nächte mit Lesungen im Literarischen Colloquium in Berlin verbracht, das er 1963 gegründet hat. Wir wüssten nichts von den Akzenten, nichts von der Sprache im technischen Zeitalter, nichts von der Elefantenuhr und kennten Das Gästehaus nicht, den ersten Kollektivroman in bundesdeutscher Sprache. Wir bedanken uns bei diesem liebenswürdigen Vertreter der großen Nachkriegsgründergeneration, die uns die Welt des Geistes und der Druckerzeugnisse alles in allem so überaus passabel hinterlassen hat.