In fremden Betten: El Castillo de Monda, Spanien

Die Burgherren empfehlen Liebenden das Turmzimmer. Keine Nachbarn, nicht links und nicht rechts, darüber nur die private Dachterrasse, darunter der aus dem 8. Jahrhundert stammende Torbogen, der in den Hof des Kastells führt. Geschlafen wird in Baldachinbetten, gebadet im eigenen Whirlpool, in den ein Marmorlöwenmaul das Wasser speit. Jetzt nur nicht vor Behagen die Augen schließen, denn die Decke des Badezimmers ist als Sternenhimmel gefliest.

Alles begann mit einer Spinnerei. Vor siebzehn Jahren saßen John Norris und sein Lebenspartner Bruce Freestone während eines Ausfluges ins Hinterland der Costa del Sol auf einem Hügel und blickten auf die gewaltige Burgruine der benachbarten Anhöhe. Sie taten das, was man in solchen Momenten gern tut, malten sich aus, den Job hinzuschmeißen und noch einmal etwas Neues anzufangen. Zwei Jahre später sahen sie das Kastell im Schaufenster eines Immobilienmaklers. Und riefen an. Sündhaft teuer war das zerfallene Anwesen. Kurz darauf kam ein Anruf mit der Bitte um ein Gebot. Norris und Freestone nannten die Hälfte der geforderten Summe und bekamen umgehend den Zuschlag. Es folgten acht Jahre Kampf mit Archäologen und Architekten, Bauarbeitern und Denkmalschutz, zahllose Auflagen und Animositäten inbegriffen. Ein Wahnsinnsprojekt, zumal die Bauherren keinerlei Erfahrung im Hotelgeschäft hatten. Drunten, im Ort Monda, sah man es anfangs gar nicht gern, dass Ausländer sich am höchsten Punkt weit und breit eingekauft hatten, sozusagen über die Gegend regierten wie einst die maurischen Fürsten. Die Meinung änderte sich erst, als einheimische Handwerker hinzugezogen wurden. Heute beschäftigt das ganzjährig geöffnete Hotel rund ein Dutzend Dorfleute. Eigentlich wollten die beiden "verrückten Engländer" in dem Gemäuer nicht mehr als sechs Fremdenzimmer einrichten. Am Ende wurden es fünfmal so viel. Und die lange Genehmigungs- und Planungsphase hat, nachträglich betrachtet, auch ihre guten Seiten: John und Bruce hatten genug Zeit, über historische Interieurs nachzulesen und jedes noch so kleine Detail mit viel Liebe zu entwerfen. Stuckaturen aus den Palastsälen der Alhambra ließen sie nachbauen, machten sich über traditionelle arabische Fliesenornamente kundig, ließen den Zauber der Lebensart im maurischen Al-Andalus Stück für Stück wieder entstehen. Auch der Koch entwirft die Speisekarte zu einem Teil nach traditionellen Rezepten der glanzvollen Epoche.

Die Besitzer wohnen wie die Gäste im Kastell und kümmern sich um jede Kleinigkeit. Bruce hat ständig neue Ideen, überwacht auch die kleinste Reparatur, sein Credo lautet: Perfektion. Hat der Gärtner Urlaub, wässert John selbst die Pflanzen im lauschigen Burggarten oder fischt Blätter aus dem Pool, der direkt neben der Festungsmauer über dem Abhang liegt.

Nur die beiden Hauskater faulenzen und sonnen sich gern auf den höchsten Zinnen. Von hier aus geht der Blick über das verschachtelte Dörfchen Monda bis zu den grünen Höhenzügen der Sierra de las Nieves. Nach Marbella und Ronda ist es nur ein Katzensprung. Wer selbst einmal Burgherr spielen will, kann das ganze Hotel für 24 Stunden zum Preis von 15000 Euro mieten. In dieser Summe inbegriffen ist die Übernachtung von bis zu 70 Personen und deren Verköstigung mit Speis und Trank ad libitum. Hochzeitspaare sind dafür schon aus Kanada und den USA angereist.

Claudia Diemar