Ich dachte mir, eine Sonnenfinsternis sei am besten unter Tieren zu beobachten, da diese am natürlichsten darauf reagieren, ohne Sofi-Rummel-Irrsinn. So könnte ich vielleicht etwas über die Essenz dieses außergewöhnlichen Vorgangs erfahren. Also machte ich mich vor zwei Wochen auf, die im südlichen Afrika stattgefundene Eklipse im Krüger-Park zu erleben, in jenem Belgien-großen Areal, in dem mensch Löwe und Leopard aus dem Auto heraus bequem im Visier hat.

Wenige Minuten vor Erscheinen des Mondschattens auf der Sonne bog ich mit dem schneeweißen Miet-Toyota Conquest auf eine orangefarbene Geröllpiste ein, die entlang des Wendekreises des Steinbocks gen Osten führte.

Bald darauf begann es sachte zu dunkeln, und das Savannengras, sowie einige Zebras, verfärbten sich blau, dann lila. Ich schärfte meine Sinne, um bereit zu sein für die entscheidenden Sekunden, in denen ich etwas über den Kern der Natur erfahren würde.

Was ich hier sehe, habe mit Natur überhaupt nichts zu tun, sagte allerdings meine Johannesburger Begleiterin Nicole Turner. Nichts weiter als eine perverse Einrichtung burischen Ursprungs mit dem Ziel des Triumphes über die Natur sei dieser Park. So könne von wilden Tieren keine Rede sein. Im Gegenteil: Dies seien korrumpierte Kreaturen, die die umliegende Wildnis von Mosambik flöhen, um im bequemeren Krüger-Park zu leben, wo es kaum Wilddiebe, dafür umso mehr Antilopen gebe.

Wir hielten neben dem Kadaver eines Elefantenbabys, kurz vor der totalen Finsternis. Geier rissen sich um die Reste und machten grausliche Geräusche.

The green party, sagte Nicole, die gerade einen Dokumentarfilm über Fleisch- und Milchproduktion fürs Fernsehen gedreht hat, worin Kühe zu sehen sind, die kaum mehr laufen konnten aufgrund ihrer hochgezüchteten Euter. In der verkauften Milch wurde dann Eiter festgestellt. Seit der Ausstrahlung des Beitrags trinken die Südafrikaner weniger Milch. Die Sonnenfinsternis sei auch nicht mehr natürlich, sagte Nicole. Weil wir sie konsumierten, statt sie zu erleben.

Diese Zähmung von sowohl wildem Tier als auch dem eigentlich kosmischen Ereignis der Sonnenfinsternis könnte im Grunde ein beeindruckendes Zeugnis für die Stärke des Menschen darstellen - wenn nicht die Mietwagen, die jetzt vor und hinter uns parkten, um während der Dunkelheit in der Nähe von Geiern zu sein, die die Leiche eines Elefantenbabys zerfleddern, so langweilig gewesen wären, was Design wie Innenbesatzung, soweit man das mit dem Zoom der DV-Kamera erkennen konnte, anging. Da wurde es schlagartig finster: als würde ein schwarzes Tuch schnell über den riesigen Himmel gezogen um dann darauf liegen zu bleiben. Die Geier hörten auf zu fressen. Über den sonnenverfinsterten Himmel zog ein Passagierflugzeug in Richtung Johannesburg, der Stadt des Goldes, wo im August der Weltgipfel stattfand, um das Leben natürlicher zu gestalten.