Es ist schon ein seltsames Gefühl, über die neue Vermögensteuer zu diskutieren und dabei von Steuergerechtigkeit zu sprechen.

Kann man es als gerecht empfinden, als Selbstständiger nach jahrzehntelanger innovativer Arbeit mit flexiblen Arbeitszeiten und dem "Immer parat"-Status dafür bestraft zu werden, dass man sich seine Altersversorgung selbst angespart hat, niemandem auf der Tasche liegt, pünktlich seine Steuern bezahlt und keine Schwarzgeldkonten besitzt?

Stattdessen spricht niemand darüber, dass seit Gründung der Bundesrepublik Selbstständige wie Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Steuerberater et cetera von der Gewerbesteuer befreit sind. Über die Summe der legal nicht abgeführten Gewerbesteuer kann man nur Vermutungen anstellen.

Peter Prix Karlsruhe

Was ist los? Bin ich ein herzloser Geselle, weil ich noch nicht gegen die Vermögensteuer Barrikaden erstiegen und das Kanzleramt erstürmt habe? Oder kann ich mich auf die aufgeregte Meldung "unseres bekanntesten" (so das Fachblatt Bild-Zeitung) Historikers in der FAZ verlassen, dass dieses Folterwerkzeug für Wohlhabende stracks in den Bolschewismus führt?

Interessierte Fachleute verkünden im Brustton der Überzeugung, die Vermögensteuer sei ein Irrweg, weil sie "aus bereits versteuertem Einkommen" gezogen wird (so etwa die Financial Times Deutschland). Aha, aber die Mehrwertsteuer, worauf wird die erhoben? Warum langt der Finanzminister zu, wenn ich zu gewissen Zwecken Klopapier und nicht überflüssige Zeitungen zur Hand nehme? Alle Versuche, den Staat auf eine Logik der Abgabenerhebung festzunageln, außer darauf, wo etwas zu holen ist, sind vergebens.

Klaus Priesucha, Oldenburg