Wäre Weihnachten doch zwölfmal im Jahr. Die Schulkinder hätten jeden Monat Ferien, die Erwachsenen bekämen ein Dutzend Mal Weihnachtsgeld und könnten ebenso oft Geschenke kaufen. Und für den arg gebeutelten Einzelhandel würden das ganze Jahr die Glocken läuten. So wie in diesen Wochen: Kleidergeschäfte, Warenhäuser, Blumenläden und Supermärkte haben im Advent gute Geschäfte gemacht. Keine Spur von Krise und Verzicht. Wird jetzt alles gut?

Nein. Aufs ganze Jahr gesehen, droht den Einzelhändlern immer noch ein Umsatzminus von real drei Prozent. Dass die Deutschen ihr 13. Monatsgehalt so fröhlich unter die Leute bringen, ist zwar schön für die Händler, löst aber deren Problem nicht: Es gibt einfach zu viele von ihnen. Und dass die Menschen dauerhaft mehr Geld ausgeben, ist angesichts hoher Arbeitslosigkeit und steigender Sozialbeiträge nicht zu erwarten.

So wird der Verdrängungskampf im Einzelhandel immer schärfer. Es geht um drei Punkte: Fläche, Preis und Öffnungszeiten. In den vergangenen zehn Jahren wuchs die gesamte Ladenfläche um rund 40 Prozent, die Umsätze aber sind seither nicht gestiegen. Dafür kletterten die Ausgaben für Miete und Personal. Hohe Rabatte haben in diesem Jahr die ohnehin niedrigen Gewinne weiter geschmälert. Und die längeren Öffnungszeiten lassen ebenfalls mehr Raum für den Konkurrenzkampf.

Künftig sollen die Läden samstags erst um 20 Uhr schließen müssen. Die Erfahrung aus den neunziger Jahren, als das Ladenschlussgesetz schon einmal gelockert wurde, zeigt: Die Kunden finden es zwar toll, später am Tag einkaufen gehen zu können. Mehr Geld lassen sie deswegen aber nicht an der Kasse. Stattdessen steigt der Aufwand für die Ladeninhaber, denn in jeder zusätzlichen Stunde müssen sie Verkäufer, Heizung und Strom bezahlen. So wird es auch dieses Mal sein.

Trotzdem: Der wachsende Druck hilft der Branche. Mit rund zehntausend insolventen Händlern rechnet der Branchenverband HDE in diesem Jahr. Für jeden Einzelnen davon ist die Pleite eine persönliche und wirtschaftliche Katastrophe. Für den Einzelhandel insgesamt bedeutet es jedoch eine heilsame und notwendige Bereinigung. Danach wird es zwar auch nicht das ganze Jahr über Weihnachten geben. Aber wenigstens ein Auskommen für alle Überlebenden. Marcus Rohwetter