Rolf Breuer ist ein Mann des Wortes, und so war es nur konsequent, dass ihn seine Karriere bis an die Spitze der Deutschen Bank führte: Das größte Geldhaus der Republik nennt seine Chefs ja von jeher "Vorstandssprecher". Und Breuer sprach. Zum Beispiel darüber, dass der angeschlagene Kirch-Konzern keine Kredite mehr bekomme, von niemandem im Geldgewerbe, und dass dies auch bekannt sei. War es aber nicht. Also verklagte Leo Kirch den Banker wegen Rufschädigung. Ihren neuen Chef Josef Ackermann übrigens bezeichnet die Deutsche Bank lieber als "Chief Executive Officer". Der Mann ist Schweizer und ein Schweiger, und er hat auch einiges auszuführen – zum Beispiel, viele von denen zu entlassen, die sein Vorgänger eingestellt hat.

Breuer aber ist jetzt Präsident des Bankenverbandes. Als Cheflobbyist der deutschen Privatbanken darf, ja muss man sehr viel sprechen. Und Breuer spricht. Zum Beispiel darüber, dass die Banken die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht an die Kunden weitergeben. Das ist erstens falsch, weil die Zinsen immer noch im Wettbewerb bestimmt werden und daher fast alle Geschäftsbanken die Konditionen senken. Zweitens ist es irrelevant, weil in Deutschland – anders als in den USA oder Großbritannien – bei der Kreditfinanzierung vor allem die langfristigen Zinsen zählen. Und die hängen nicht von der EZB ab. Tatsächlich wollte der Bankenpräsident wohl nur auf die desolate Lage der heimischen Institute hinweisen: Sie leiden unter riesigen Kosten, weil ihre Manager – auch Breuer – über Jahre hinweg und wider besseres Wissen den günstiger arbeitenden Sparkassen überall und in jedem Geschäftsfeld Paroli bieten wollten.

Rolf Breuer ist ein Mann des Wortes. Nur an den Formulierungen muss er noch arbeiten.

Marc Brost