Anglizismen sind in Mode, auch in der deutschen Reformdiskussion. Public Private Partnership ist so einer – der Versuch, Private zusammen mit dem Staat das tun zu lassen, was der Staat zuvor allein tat. In Großbritannien gibt es bereits rund 500 Projekte, bei denen Firmen Bildungsstätten, Krankenhäuser oder Gefängnisse nicht nur bauen, sondern auch betreiben. Mit durchaus gemischten Resultaten: Der deutsche Baukonzern Bilfinger und Berger etwa errichtete in der Grafschaft Wiltshire drei Schulen; für die nächsten 30 Jahre soll er auch für ihren Betrieb zuständig sein. Kurz nach der feierlichen Eröffnung stellte sich allerdings heraus, dass die Deutschen ziemlich dünn gebaut hatten. Die Schüler wissen seither nie so richtig, ob sie dem Geschichtsunterricht im eigenen Klassenzimmer lauschen oder an der Mathematikstunde der Nachbarklasse teilnehmen.

Die Lehre aus England: Eine Public Private Partnership funktioniert nur, wenn die öffentliche Hand sehr genau darüber wacht, dass die Privaten nicht nur billig, sondern qualitativ mindestens ebenso gut sind, wie es zuvor der Staat war. Vor jeder Auftragsvergabe – und vor jeder Privatisierung einer bis dahin staatlichen Dienstleistung – müsse deshalb ausführlich diskutiert werden, "was der Staat will und wie er es erreicht", sagt Peter Walter, Landrat im Kreis Offenbach. So hat der Kreis für den Ausbau und den Betrieb seiner Schulen ein mehrere hundert Seiten starkes Kompendium entwickelt, das bei einer Auftragsvergabe an private Investoren Teil des Vertrags wird – und das bei Nicht-Erfüllung hohe Konventionalstrafen vorsieht.

Wer kontrollieren will, muss allerdings auch kontrollieren können. Wenn der Staat nicht mehr Leistungs-, sondern Gewährleistungsstaat ist, braucht er dafür qualifiziertes Personal: Controller, die sich etwa im Bauwesen in möglichst vielen einzelnen Teilbereichen einer Baumaßnahme auskennen – und außerdem noch in der Lage sind, eine Bilanz zu lesen. Die Kommune der Zukunft, sagt der Unternehmensberater Jobst Fiedler, "benötigt weniger Blaumänner, dafür aber sehr intelligente Steuerungsinstanzen, die ähnlich funktionieren wie das Qualitäts- und Kosten-Controlling in einem großen Unternehmen".

Das bedeutet: Der öffentliche Dienst wird auch in Zukunft gebraucht. Nur muss es ein anderer werden, mit teilweise ganz anderen Job-Beschreibungen. Die aber könnten sogar interessanter sein als heute. jfk/ten