Bund und Länder tragen einen bizarren Streit aus. Er geht darum, wessen Pflicht es ist, die Bürger zu schützen. Genauer gesagt, wer das Geld für den Pockenimpfstoff aufbringen muss, mit dem im Notfall die gesamte Bevölkerung vorsorgt werden könnte. Ein Vorrat von etwa 100 Millionen Dosen wird gebraucht, Stückpreis etwa zwei Euro.

Ist es die Aufgabe des Bundes, weil er für den Zivilschutz im Kriegsfall zuständig ist? Oder handelt es sich um herkömmlichen Katastrophenschutz, mithin um eine Länderangelegenheit? Nun könnte man antworten, ein terroristischer Angriff mit hochansteckenden Viren sei so etwas wie eine Mischform aus Krieg und Katastrophe und der Vorschlag des Gesundheitsministeriums, die Kosten zu teilen, daher eigentlich sehr gerecht.

Aber warum sollte die Sache so einfach liegen? Haben wir nicht genügend Zeit?

Wäre doch sehr interessant, zunächst ein paar völkerrechtliche Gutachten darüber einzuholen, ob wir uns nicht mitten im (Terror-) Krieg befinden - bevor sich die Länder grundlos in Unkosten stürzen. Vielleicht können wir auch warten, bis die Pocken da sind, um sie selbst zu fragen: Kommt ihr in kriegerischer Absicht?

Die triste Wahrheit ist: Falls eine Pockenepidemie in Deutschland ausbricht, müssten Bund und Länder gemeinsam alles tun, um ihre Bürger zu schützen. Aber beide wären dazu nicht in der Lage. Die USA haben längst ein zentrales Zivilschutzministerium eingerichtet, und in dieser Woche beginnen die Massenimpfungen. Wir hingegen fragen erst einmal: Wann kommt eigentlich die Pockensteuer?