Nichts hat Gerhard Schröder in den vergangenen Wochen so genervt wie die Debatte um die Vermögensteuer. Mehrere SPD-Landesfürsten plädierten lautstark dafür, sie wieder zu beleben. Selbst mit dem klaren Wort, eine solche Steuer werde es nicht geben, konnte der Kanzler seine widerspenstigen Parteifreunde nicht zur Räson bringen. Jetzt präsentierte er seine Alternative: eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent auf Zinserträge, unabhängig von der Höhe des Einkommens, von der Bank direkt an den Fiskus überwiesen.

Bisher gilt in Deutschland eine Zinsabschlagsteuer. Die Bank überweist 30 Prozent des Zinsertrags an das Finanzamt, aber damit ist die Steuerschuld nicht beglichen. Wer seine Einkünfte mit einem höheren Satz als 25 Prozent versteuert (also möglicherweise bis zum Spitzensatz von 48,5 Prozent), muss das auch bei seinen Zinseinkünften tun. Die bereits von der Bank abgezogenen 30 Prozent werden dann vom Finanzamt angerechnet.

Vorschläge für einen Wechsel zur Abgeltungsteuer gibt es seit langem. Der Sachverständigenrat diskutierte die Möglichkeit schon 1991 in seinem Jahresgutachten. Fünf Jahre später empfahl der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft, Zinseinkünfte definitiv mit 15 Prozent zu besteuern.

Ein niedrigerer, einheitlicher Steuersatz und ein unbürokratisches Verfahren - das hört sich verlockend an. Und es funktioniert, zum Beispiel in Österreich. Seit dem 1. Januar 1993 haben bei unseren Nachbarn Kapitalerträge nichts mehr in der Einkommensteuererklärung verloren. Sie werden pauschal mit 25 Prozent versteuert, das Geld wird direkt von den Banken an den Fiskus überwiesen. Werbungskosten oder Schulden können nicht abgezogen werden. Es gibt keine Freibeträge, allerdings können sich Bezieher niedriger Einkommen die vom Zinsertrag abgezogene Steuer erstatten lassen.

Geht es nach dem Bundeskanzler, sind Kontrollmitteilungen der Bank an den Fiskus unentbehrlich. In Österreich dagegen erfährt der Fiskus nicht, wer der Steuerschuldner ist, das Bankgeheimnis bleibt also voll gewahrt. Eine Debatte um Steuergerechtigkeit oder Vorteile für die Reichen gibt es deswegen nicht.

Erfreulich für die österreichische Bundeskasse: Die Abgeltungsteuer beschert ihr etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Gleichzeitig haben sich die Kapitalströme umgekehrt: Bis 1992 vertrieb die Steuerlast weit mehr Kapital aus Österreich, als ins Land kam

1993 schließlich repatriierten die Österreicher 1 Milliarde Euro Vermögen - ohne die Steuerflüchtlinge zu bestrafen.