Aus der Ferne sieht Ewald Walgenbach eher glatt und rund aus. Das hat der Vorstand des Bertelsmann Buchclubs mit einem der großen Steine in seinem Garten gemein. Die sechs Brocken Dolomit sind Walgenbachs liebstes Kunstwerk, und er sagt, er gehe oft hinaus, sie zu betrachten. Wenn er mal zu Hause ist.

Der erste Stein ist ein Quader von 70 Zentimeter Kantenlänge, dem nächsten hat der Künstler Klaus Becker die Ecken abgesägt, zweimal widerfuhr es dem dritten. So setzt sich die Reihe fort. Jede Ecke wird zur Fläche, wodurch der sechste Stein ziemlich rund aussieht. Nur wer näher tritt, sieht die fast tausend kleinen Kanten.

Über andere deutsche Manager ist zu lesen, sie seien autoritär, brutal oder egoman oder alles zusammen. Nichts dergleichen über Walgenbach. "Fleißig" sei er, sagen einige Konkurrenten, und vor allem "unauffällig". Seine Widersacher bekommen ihn nicht zu fassen. Noch nicht.

Denn seit kurzem hat der Manager einen Job, der ihn der Öffentlichkeit näher bringen wird, im Guten wie im Schlechten. Er hat die schwerste Aufgabe übernommen, die der Medienkonzern Bertelsmann zu vergeben hat. Walgenbach soll die Direct Group sanieren, in der weltweit 20 Buchclubs mit 28 Millionen Mitgliedern und dazu einige Internet-Handelsgeschäfte versammelt sind.

Man hätte ihm auch sagen können, er solle Westfalen mit dem Spaten umgraben. Das wäre leichter gewesen.

Walgenbach, der Mann ohne offensichtliche Eigenheiten, tritt aus seinem Büro, der Kragen offen, das Hemd sieht aus, als habe er einen Ringkampf hinter sich, eine erste Facette des angeblich so glatten Managers. Der 43-Jährige wippt, macht wiegende Schritte. Grinst. Breitet die Arme aus: Wen greift er sich jetzt? Was packt er an? Wer hält so viel Energie aus?

Rastlos ist er in den vergangenen vier Monaten um die Welt gereist, um den mindestens 250 Millionen Euro Verlust nachzuspüren, die in diesem Jahr in der Bilanz der Direct Group stehen werden. London, Amsterdam, New York. Walgenbach, dessen Koffer auch an diesem Tag abflugbereit hinter der Bürotür steht, urteilt: "Die brennendsten Probleme haben wir erst einmal gelöst." So sieht Optimismus à la Walgenbach aus, der eigentlich sagen müsste, noch schlimmer werde es vorläufig nicht, aber besser so bald auch nicht. Vor allem angesichts der jüngsten Nachrichten aus Deutschland. "Mehr als ein Drittel setzt der Club im Weihnachtsgeschäft um. Bis zur vorigen Wochen lagen wir gut fünf Prozent unter Vorjahr", berichtet er.

Der deutsche Club mit vier Millionen Mitgliedern ist ohnehin das größte Sorgenkind und wartet seit den achtziger Jahren vergebens auf eine Sanierung. Mitglieder zu werben, ihnen einen kleinen Rabatt auf Bücher zu gewähren und sie dafür zu verpflichten, regelmäßig zu kaufen – dieses Konzept funktionierte in der Nachkriegszeit, als der Club auf dem Land und in Kleinstädten das Tor zur literarischen Welt war. In den Achtzigern war es überholt. Nach dem Mauerfall täuschten neue ostdeutsche Mitglieder über die konzeptionelle Schwäche hinweg, bis sie Mitte der neunziger Jahre wieder absprangen.