Berlin

Einfach schön, der Blick von innen, aus dem Kanzleramt heraus aufs weihnachtliche Berlin, im Vorabendlicht. Weit schöner als der von außen auf den groben Klotz, in dem Gerhard Schröder seine Arbeitstage verbringt. Findet er übrigens auch.

Aber wird der Kanzler in drei Jahren noch "der Kanzler" sein? Oder wird er abgewählt am 2. Februar, dem Tag der Wahlen in Hessen und Niedersachsen, an dem die Union die große Scharte auswetzen möchte? Er selbst ist sich sicher: Ja, er bleibe. Er werde gehen, wann er wolle. Nein, unaufhaltsam sei der Abstieg nicht.

Wendet sich nicht jetzt schon wieder das Blatt für ihn? Der Verzicht auf die Vermögensteuer, dafür aber das Umschwenken auf die Idee einer 25-Prozent-Zinssteuer, die von Merz über Koch bis zu den Grünen fast alle wollen. Zwar hatte Finanzminister Hans Eichel sich aus prinzipiellen und praktischen Gründen dagegen gesträubt, aber jetzt läuft die Kanzler-Maschine wieder.

Über Nacht avancierten Wolfgang Clement und Sigmar Gabriel zu Schlüsselfiguren. Clement, weil er als "Superminister" für die "Superreformen" zuständig ist, und Gabriel, weil es den Kanzler das Amt kosten könnte, wenn der Hannoveraner überraschend seine Wahlen verlöre. Hinzu kommt bei Clement, dass er als der "natürliche" Nachfolger Schröders gilt.

Schon lange hat sich herumgesprochen, dass der Kanzler gegenwärtig nur ihm zutraut, aus dem Stand heraus das Amt auszufüllen. Als er den damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen im Flugzeug nach Paris überredete, nach Berlin zu wechseln, mag das keine Rolle gespielt haben - aber automatisch wird der Düsseldorfer als Reservekanzler betrachtet.

Wenn Koch gewinnt und Gabriel verliert ...