Er wollte sich gar nicht umbringen. Sein Zug kam zu spät. Da ist er eingeschlafen auf den Gleisen. Als er aus der Ausnüchterungszelle entlassen wird, weiß der Mann, der eigentlich nicht mehr viel vorhatte, dass es Zeit wird, sein Leben zu verändern. Heiraten, in zehn Minuten den Zug nach Moskau erwischen und mit der Frau seines Lebens nach Sibirien auswandern. Eine ganze Menge für Gestalten, die sich im schleppenden Tempo eines finnischen Tangos bewegen und die ihre tragische Größe ganz aus einer entrückten Langsamkeit beziehen. Hunde haben keine Hölle hat Aki Kaurismäki im vollmundigen Ton der Schwarzen Serie sein wunderbares Melodramakonzentrat über die Zeit genannt.

Eine von sieben Episoden, die die Berliner Produktionsfirma Road Movies in dem Omnibusfilm Ten Minutes Older - The Trumpet zusammengestellt haben. Und wie man sich auch nach einer Busfahrt nur selten an den einen oder anderen Mitfahrer erinnern kann, verblasst auch hier der Eindruck der meisten Beiträge bereits beim Abspann. Kontemplative Flussbilder und eine melancholische Trompete sollen die Kurzfilme konzeptionell zusammenhalten.

Doch was neben- und zueinander gezwungen wird, hebt sich in seinem Stilwillen oft gegenseitig auf. Werner Herzogs wüste Kulturanalysen am Amazonas, Spike Lees Dokumentation über das Auszählungsdrama bei der letzten US-amerikanischen Präsidentschaftswahl, Jim Jarmuschs gefilmte Drehpause oder Wim Wenders, der den unfreiwilligen Konsumenten einer hallizogenen Überdosis durch die Wüste schickt - sie alle wollen nun einmal nicht zu einer großen Betrachtung über die Vergänglichkeit zusammenfließen.