Für chinesische Auslandsstudenten ist das Gelobte Land immer noch die USA: Gut 63 000 sind dort eingeschrieben - gut viermal so viele wie in Deutschland. "Keine Frage, die meisten wollen nach Amerika", erzählt Wantao Mao, 21, der in Harvard Informatik studiert: "Schauen Sie sich mal die Schlangen vor den Konsulaten an!"

Doch seit den Terroranschlägen vom 11. September ist das Leben für Auslandsstudenten in den USA härter geworden. Erst recht, wenn sie aus Ländern wie China stammen, die gespannte Beziehungen zu den USA unterhalten.

Präsident Bush erließ eine Direktive gegen den "Missbrauch des internationalen Studentenstatus", er verschärfte die Visumbestimmungen, und das FBI befragte Auslandsstudenten aus dem Nahen Osten sogar auf dem Campus.

Professoren und Studienberater erbosten sich darüber in Presse und Talkshows: Längst zugelassene Studenten blieben aus, weil die Botschaften ihnen das Visum verweigerten. In Peking demonstrierten frustrierte Bewerber. "Die Studenten", schimpfte Soji Akomolofe, am LeMoyne-Owen College für die Ausländer zuständig, "sind zu Sündenböcken geworden."

Etliche Universitäten berichten von Verzögerungen und verpassten Semestern bei ihren chinesischen Studenten. Allan Goodman, Präsident des Institute of International Education, hält die Beschwerden allerdings für übertrieben.

Schließlich stellen die Gäste aus dem Reich der Mitte elf Prozent der amerikanischen Auslandsstudenten. Deren Gesamtzahl habe innerhalb des vergangenen Jahres weiter zugenommen - um rund sechs Prozent. Nach den Indern bilden die Chinesen die zweitstärkste Gruppe. "Ich gehe davon aus, dass der Antragsweg künftig länger wird, vielleicht auch dreimal so lang. Aber die Leute werden sich schon darauf einstellen", sagt Goodman.

Traditionell kommen chinesische Gaststudenten in die USA, um naturwissenschaftliche oder technische Kenntnisse zu erwerben: Physik, Computertechnik, Chemie, angewandte Mathematik. "In den letzten Jahren sind Volkswirtschafts- und Managementlehre hinzugekommen", sagt Goodman. Vor diesem Hintergrund bricht eine alte Debatte nicht ab: um den so genannten Braindrain, den Verlust der hellsten chinesischen Köpfe an die USA. "Die meisten bleiben nach dem Studium erst mal hier", sagt der Informatikstudent Wantao Mao, "viele hängen ein Aufbaustudium dran oder wollen erst mal ein paar Jahre Arbeitserfahrung und Kontakte sammeln." Nach Auskunft der US-Botschaft in Peking sind das zwischen 65 und 80 Prozent der Auslandsstudenten.