Als Student bin ich enttäuscht, dass sich Wolfgang A. Herrmanns Plädoyer für "einen sozial-verträglichen Umbau der Hochschulfinanzierung" wieder nur als ein Plädoyer für eine stärkere soziale Selektion im Hochschulbereich entpuppt. Da ist zunächst seine These, die Zukunft eines Studenten würde durch öffentliche Gelder abgesichert, während der "selbstständige Maurer seine Existenzgrundlage erwirtschaften muss". Gerade wir Studenten müssen unsere Existenzgrundlage selbst erwirtschaften (durch Nebenjobs) oder werden von den Eltern/durch Bafög unterstützt, während jeder (Maurer-)Lehrling vom ersten Ausbildungstag an für seine "Investition in die eigene Zukunft" bezahlt wird.

Dann die Aussage, der Facharbeiter fördere mit der Lohnsteuer nicht das Studium seiner Kinder, sondern das der Kinder seines Chefs. Dies gilt allenfalls, wenn man annimmt, die Facharbeiterkinder würden ohnehin niemals auf die Idee kommen, ein Studium zu absolvieren. Andernfalls fördert der "Chef" auch alle Facharbeiterkinder, und zwar insbesondere wegen seiner höheren Steuern.

Den Gipfel aller Absurdität erreicht Herrmann mit seiner Vision, in der neuen Solidargemeinschaft solle es je nach Aufwand billige und teure Studiengänge geben. Gerade diese Maßnahme widerspricht dem Grundsatz gleicher Bildungschancen und würde die ohnehin vorhandene Selektion noch verstärken.

Was ist gerechter, als wenn sowohl Starke wie Schwache mit einem gewissen Prozentsatz ihres Einkommens zur Bildung ihrer Kindergeneration beitragen?

Unser Problem in Deutschland ist, dass offensichtlich zu wenig in den Zukunftssektor Bildung investiert wird. In dieser Situation brauchen wir keine Debatte über Studiengebühren, sondern eine Debatte darüber, wie viel die Bildung unserem Staat (und somit uns allen) wert ist.

Jonas Bertling Münster

Die ökonomische Idee von Angebot und Nachfrage zu bemühen stimmt mich hoffnungsfroh. Dabei blieb ein Aspekt außer Betracht. Die deutsche Wirtschaft tritt zunehmend als Nachfrager gut ausgebildeter Fachkräfte in Erscheinung.