Nur die Hoffnung war groß: Moderne Informations- und Kommunikationstechnik könne das Verkehrsaufkommen reduzieren, Staus verhindern, Unfälle vermeiden und die Umwelt schonen. Erfüllt hat sie sich bislang nicht. Eine Analyse der Deutschen Bank kommt zu ernüchternden Resultaten. Zwar helfe die neue Technik vereinzelt bereits, Verkehrsströme effizienter zu organisieren, doch ein Allheilmittel gegen den Verkehrsinfarkt sei sie nicht. Im Gegenteil: Teilweise trägt sie sogar zu noch mehr Transporten bei.

Elektronische Mautsysteme sind teuer und in ihren sozialen und regionalen Auswirkungen noch immer umstritten. Hingegen sprechen die niedrigen Betriebskosten nach wie vor für das gute alte Radio als Kommunikationskanal, den Autofahrer während der Fahrt nutzen können. Für das Internet gilt das nicht. Und Verkehrsinformationen per Handy wird erst mit der neuen UMTS-Technik bessere Chance eingeräumt.

Auch Telearbeit sollte einst Deutschlands Straßen entlasten. Aber: "Bislang kommt sie nur sehr selten zum Tragen", schreibt der Autor Stefan Heng in der Studie. Die Verkehrsrelevanz sei deshalb begrenzt. Das gelte ebenso für den E-Commerce, denn auch beim elektronischen Handel entfalle der physische Transport nur dann, wenn digitalisierte Güter wie Tickets, Software, Musik oder Informationen direkt über das Netz versendet werden können.

Alle anderen Online-Bestellungen sorgen sogar für mehr Verkehr. Die neuen Geschäftsmodelle seien geprägt durch kurze Reaktionszeiten bei intensivem Service, zum Beispiel dem Recht des Kunden, die Ware wieder zurückschicken zu dürfen. So sehr das zu begrüßen ist: Der Einkauf im Netz hat seine Schattenseiten. "Mittel- bis langfristig ergibt sich daraus ein Anstieg der Zieladressen und ein wachsendes Verkehrsaufkommen in den Wohngebieten zur Feierabendzeit", so das Resümee der Studie. So bringe allein die deutsche Niederlassung des Internet-Buchhändlers Amazon an Spitzentagen bis zu 100 000 Sendungen auf den Weg. Kurier-, Express- und Paketdienste wissen das zu schätzen. Sie haben allen Grund, weiterhin auf gute Geschäfte zu hoffen.