Dass Kultur ein selbstrefentielles System ist, belegt dieser Artikel aufs schönste, denn er enthält nicht die leiseste Andeutung eines Zweifels. Wo aber gab es in den letzten Jahren denn ein Stück, das sich paradigmatisch und mit zukunftsweisenden Ideen mit den wirklichen Fragen unserer Zeit auseinander gesetzt hätte? Dafür herrscht Klamauk vor, es wird auf den Bühnen unmotiviert viel geschrien und gerannt, womit man die Inhaltslosigkeit zu kaschieren sucht. Eine möglichst krude, gern dem Unterleib entlehnte Sprache verdeckt die Banalität des Aufgeführten, und mit möglichst viel Nacktheit werden die zu Tode gespielten Klassiker bloß scheinbar aufgemotzt, weshalb sie auch lediglich zu Scheinleben erweckt werden. Besonders originelle Regieeinfälle bewirken nur noch, dass die Theater leer gespielt werden, weil sie uns offenkundig nichts mehr zu sagen haben.

Das waren Zeiten, als das Theater noch eine moralische Anstalt war. Brauchen wir wirklich Theater, richtiger: Brauchen wir wirklich dieses Theater? Was für ein Theater!

Franz Kappelhoff, Salzbergen