Nachts, wenn Erlkönig und Schimmelreiter unterwegs sind, braucht der Reisende einen sicheren Wagen. Etwas Schauerromantik muss aber sein

Literaturhistorisch und durch die dicken Brillengläser des Bücherwurms betrachtet, ist eine Nachtfahrt im Geländewagen vollkommen absurd. Die Romanfigur und das lyrische Ich des 19. Jahrhunderts wären, selbst wenn sie ein Auto besessen hätten, nie auf die Idee gekommen, nach Einbruch der Dunkelheit vom Hof zu fahren. Wer nicht schlief, der schaute in den Mond, sang eine Hymne an die Nacht oder wandelte melancholisch um einen mitternächtlichen Weiher. Einige avantgardistische Figuren mussten zu nachtschlafender Zeit bereits in die Fabrik. Aber freiwillig und nur so zum Spaß trieb man sich nach zweiundzwanzig Uhr nicht in der Gegend herum. Das war ein Privileg der Wilden Jagd, jenes Totenheers, das dem Volksglauben zufolge mit Jagdgeschrei und Hundegebell durch die Lüfte saust. Vor derlei Gesindel hat der postaufgeklärte, dem Nächtlichen entfremdete Mensch natürlich keine Angst. Höchstens ein bisschen. Deshalb gibt es Autos wie den Nissan Pathfinder.

Der Nissan Pathfinder ist außen silbern wie der Mond und innen schwarz wie die Nacht, er ist breit wie eine Kutsche, lang wie ein Leichenwagen, hoch wie ein Burgtor und stark wie 220 Pferde. Wenn man ihm kräftig die Sporen gibt, heult er wie ein Dutzend Höllenhunde, und die Sitzheizung erreicht binnen kürzester Frist Höllentemperatur. Im Nissan Pathfinder bekommt der Mensch das Gefühl, er könnte notfalls eine ganze Schar unheimlicher Reiter einfach überrollen. Und auf Selbstbewusstsein kommt es schließlich an, will man an einem nebligen Winternachmittag - die Dämmerung kriecht gespensterweiß über die Wiesen - eine Fahrt von Husum nach Hamburg antreten.

Tagsüber holperte man noch unternehmungslustig durch die nordfriesische Marsch, auf den Spuren des Deichgrafen Hauke Haien, und wäre am liebsten sandaufstiebend und schimmelreiterschnell über den Strand gerast. Das Getriebe hätte das hergegeben, und die Landschaftsschutzverordnung ist dem Geländewagenhelden, wie er hoch oben über Kleinwagenbesitzern und Dreiradfahrern thront, ja kein wirkliches Hindernis.

Aber wir haben uns gerade noch gebremst. Sind ordnungsgemäß zum Theodor-Storm-Museum zurückgeschnurrt und stellen uns nun, in die Nacht hineinfahrend, vor, wie Storms Novelle hätte ausgehen können, wenn der Schimmelreiter im Nissan Pathfinder anstatt auf dem Pferd unterwegs gewesen wäre. Es sind ja die theoretischen Möglichkeiten, derentwegen wir im Pathfinder sitzen: zu wissen, während man mit 20 km/h in die zugeparkte Einbahnstraße biegt, dass man jetzt auch mit hundert Sachen durch den finstersten Morast rauschen könnte. Vor uns der leichenblasse Mond, hinter uns die Sturmflut und unser Herz ganz ohne Furcht.

Der technisch hochbegabte, ehrgeizige Deichgraf Hauke Haien hätte zu dem geradlinigen, ohne Konsolenfirlefanz und High-Tech-Kaffeebecherhalter auskommenden Auto gut gepasst. Wenn der Deich bricht, will man ja nicht Kaffee trinken. Wenn Hauke Haien sich nächtens in tobende Gewässer stürzt, um Frau und Kind zu retten, muss er ja nicht kontrollieren, wie viel Grad Celsius im Kofferraum sind. Es reicht zu wissen, dass die ganze Deichgrafenfamilie einschließlich Pferd in den Pathfinder passen würde. Wir Schimmelreiter neigen vielleicht zum Sinistren, aber Pragmatiker sind wir doch. Darum hat unser Auto auch einen Kompass und weiß den Weg selbst in den bewölkten Nächten des Nordens, wo oft kein einziger Stern am Himmel steht - auf den Gemälden Caspar David Friedrichs kann man das nachprüfen.

Nun ist aber ein gewisses Maß an Unsicherheit dringend nötig für die Genese eines schauerromantischen Fahrgefühls. Die sturzkonstante Hinterachse unseres Wagens, seine innenbelüfteten Scheibenbremsen und gigantischen Nebelscheinwerfer entzücken vielleicht den passionierten Autotestleser daheim im Ohrensessel, der wahre Abenteurer sucht doch letztlich Schwierigkeiten, die er geistesgegenwärtig überwinden kann. Für solche Leute hat Nissan ein paar kleine Spannungsmomente eingebaut.