Kupferstich von Andreas Geiger, 1849

Es gibt drei Erklärungen für die Herkunft der Zeitungsente. Die Brüder Grimm führen den Ausdruck auf Luther zurück, den sie mit den Worten zitieren: "So kömpts doch endlich dahin, das an stat des evangelii und seiner auslegung widerumb von blaw enten gepredigt wird." Blaue Enten also als Sinnbild für die Irrlehre.

Dann gibt es das von Ihnen zitierte "n.t.". Das steht für das lateinische non testatum und wurde schon seit dem 17. Jahrhundert an Zeitungsmeldungen angefügt, deren Quelle nicht bestätigt war. Eine schöne phonetische Ableitung für die Ente.

Doch es setzt sich langsam die Deutung durch, dass die Zeitungsente im 19. Jahrhundert aus Frankreich ihren Weg zu uns gefunden hat. Die Ente als unzuverlässige Brüterin war dort schon lange in dem Ausdruck donner des canards ("Enten geben") mit der Lüge in Verbindung gebracht worden. Noch heute findet man dieses Sprachbild im Titel der Zeitung Le Canard Enchaîné.

Welche Version stimmt nun? Martin Welke, der als wichtigster deutscher Zeitungshistoriker eine große Sammlung alter Zeitungen pflegt, war eigentlich auch ein Anhänger der n.t.-Theorie. Bis er eine Karikatur von 1849 mit dem Titel Der journalistische Eiertanz entdeckte, auf der ein Schreiberling mit all seinen Utensilien abgebildet ist – aus seiner Umhängetasche lugen zwei Enten, die auch noch entsprechend beschriftet sind. Wenn der Vogel schon so lange mit dem Journalismus in Verbindung gebracht wird, sagt Welke, dann ist die Erklärung mit dem n.t. wohl eine schöne, aber leider eine Ente. Christoph Drösser

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