schleichwerbung Die DauerwerbesenderSeite 3/3
Doch auch Nachrichtenredaktionen sind längst nicht mehr immun gegen Schleichwerbung. So finden Beiträge der Essener Produktionsgesellschaft Western Star reißenden Absatz. Ursprünglich machte die Firma normalen TV-Journalismus. Doch Anfang des vergangenen Jahres wurde das Geschäftsmodell umgestellt. Seither produziert Western Star im Auftrag von Kunden wie dem Bundesverband deutscher Banken, Coca-Cola, Allianz oder Bayer. „Unsere Redakteure recherchieren, bereiten Sachverhalte journalistisch auf und bieten sie allen großen Sendern in Deutschland an“, heißt es auf der Website des Unternehmens. „So schaffen wir TV-Präsenz für Informationen und Persönlichkeiten aus Ihrem Unternehmen.“
Seit der Umstellung hat Western Star trotz Medienkrise die Zahl seiner Mitarbeiter von 8 auf 20 erhöht. Welche Sender ihre Firma beliefert, mag Anja Gerken, Gesellschafterin bei Western Star, mit Rücksicht auf ihre Kunden nicht verraten. Dass, wie die Tageszeitung Die Welt berichtete, im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken produzierte Beiträge auch an das ZDF-Mittagsmagazin gingen, streitet sie jedoch nicht ab. ZDF-Sprecher Stock räumt ein, dass Western Star „im Zeitraum 2001 bis 2002 insgesamt 16 Beiträge“ für seinen Sender produziert hat. Die Stoffe seien jedoch vom ZDF entwickelt und von Western Star „weisungsgemäß umgesetzt“ worden. Beiträge des Bundesverbandes deutscher Banken habe man nicht ausgestrahlt. Im Übrigen sei Western Star „ein normaler Anbieter am Markt, der für viele Sender und Auftraggeber Beiträge produziert“. Eine erstaunliche Aussage: Auf ihrer Website nennt sich Western Star eine Dienstleisterin für „moderne Unternehmenskommunikation“, und Gerken sagt: „Jeder weiß, was wir machen.“
- Datum 23.04.1998 - 06:23 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 01/2002
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