Stimmt’s?Lass knacken!

Stimmt es, dass Knacken mit den Fingergelenken zu Rheuma, Gicht oder sonstigem Verschleiß führen kann? In Asien knackt jeder, weil es so gesund sein soll. Was stimmt nun? Frank Kurschus, Hamburg von 

Beim Gelenkeknacken muss man zwei Fälle unterscheiden: Im ersten Fall geben die Gelenke "von selbst" Geräusche von sich, etwa beim Treppensteigen. Dieses Phänomen nimmt mit dem Alter zu und ist völlig unbedenklich, solange es nicht mit Schmerzen verbunden ist.

Hier geht es aber nicht um die Begleitgeräusche "alter Knacker", sondern um das absichtliche Knackenlassen vor allem der Fingergelenke. Es gibt ja Leute, die damit ständig bei ihren Mitmenschen für Gänsehaut sorgen. Das Geräusch erzeugt man entweder durch Überdehnen – etwa wenn sich der Schreiber an die Tastatur setzt und erst einmal die Finger kräftig durchdrückt – oder indem man an den Fingern zieht. Das Knacken kommt zustande, weil sich in der Gelenkschmiere durch die Überdehnung Lufbläschen bilden, deren Platzen man hören kann – das jedenfalls ist die landläufige Erklärung. Gesund ist das auf keinen Fall.

Aber kann es schaden? Gicht und Rheuma muss niemand befürchten, der gern mit den Fingern knackt. Aber so ganz unbedenklich ist die Angewohnheit auch nicht. Werner Zirngibl, ein bekannter Münchner Orthopäde, der vor einigen Jahren auch einmal Deutscher Tennismeister war, warnt vor Verschleißerscheinungen der Gelenke. Wenn die Gelenkkapseln und Bänder zu häufig überdehnt werden, dann können sie regelrecht ausleiern und an Stabilität verlieren. Sein Rat: Ab und zu mal knacken lassen ist ungefährlich. Dauerknacker sollten sich das Laster lieber abgewöhnen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

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