Glaubt man den Experten, war das Krisenjahr 2002 nur ein Spaß gegen das, was uns 2003 bevorsteht. Ein Miniwirtschaftswachstum am Rande der Rezession.

Bis zu 4,5 Millionen Arbeitslose. Steuern, Abgaben, Renten- und Versicherungsbeiträge steigen weiter. Und zu alldem droht Krieg. Alles nur Untergangsgerede? Mag der Bundespräsident noch beschwichtigen, jetzt steht fest, dass wir ein echtes Problem haben. Verdränger, Schönredner, Gelassenheitsprediger, verstummt! Baring hat doch Recht: Die Lage ist dramatisch.Das Fundament der deutschen Leistungsgesellschaft bröckelt. Das Jammern auf hohem Niveau erstirbt zu kraftlosem Röcheln. Es geht an die Substanz.

Was ist geschehen? Mutter Beimer, Ikone deutschen Durchhaltewillens, brach in der Lindenstraße mit allen Symptomen eines Herzinfarkts zusammen. Gerade noch hatte die Unverwüstliche, diese Trümmerfrau beschädigten deutschen Seelenlebens, ihre in alle Welt verstreuten Lieben zu einem Festessen zusammentrommeln können. Einmal noch sollte alles sein wie früher! Bei der Vorbereitung des Gelages überstand sie sogar mehrere Stromausfälle - düstere Warnzeichen des bevorstehenden Endes aller vertrauten Ordnung. Gerade noch hatte sie ihr Exgatte in höchsten Tönen dafür gepriesen, wie standfest sie selbst die aussichtslosesten Situationen zu meistern versteht. Dann, beim Abwasch, geschah das Undenkbare. Auch sie: überfordert!

Sollte das Erlahmen der Beimerschen Widerstandskraft das Menetekel deutschen Niedergangs sein? Oder wird ihr Kollaps zum Anlass innerer Reinigung, aus der sie erstarkt hervorgeht - endlich wissend: So wie bisher geht's nicht weiter?

Erzeugt der nun unerträglich gewordene Leidens- den heilsamen Veränderungsdruck? Auflösung folgt. Im Fernsehen. Denn eines bleibt uns ja doch, bis ans Ende unserer Tage: die Lindenstraße.