Hamburg - Frankfurt - Santiago de Chile - Calama, das sind mindestens 17 Stunden Flug. Mit einer Zwischenlandung in Madrid und einer in Antofagasta auch gute 20. Danach eine Stunde Autofahrt durch die Atacama-Wüste und über das Gebirge. An jeder Kurve erinnern plastikblumengeschmückte Bildstöcke an die Reisenden, die hier zu Tode gekommen sind. Und dann das: Die Einfahrt zum Hotel Explora führt durch die Pferdeställe. Das Geländer am Eingang ist gelb und sieht aus wie aus Baustahlgittern improvisiert. Die Zimmer haben keinen Fernseher und keine Klimaanlage, dafür ein Waschbecken gleich gegenüber dem Bett.

Es kann schon sein, dass jemand, der ein Luxushotel in der Wüste gebucht und über 400 Dollar pro Person und Nacht bezahlt hat, erst einmal enttäuscht ist.

Hört er jedoch in sich hinein, wird er merken, wie anders er sich fühlt, wenn er kurz nach der Ankunft über den grob gepflasterten Steinboden des Patios zur Bar stapft, um die Bergführerin Marketa zu treffen: Der Fremde fühlt sich sportlicher, abenteuerlustiger, jünger als in letzter Zeit. Ein wenig wie auf Klassenfahrt. Und wie damals im Landschulheim sind die Hoteldirektoren auch hier ein Ehepaar.

Das Explora-Hotel liegt am Ende der Welt, am Rand einer Oase in 2443 Meter Seehöhe und mitten in atemberaubendster Natur. Die Architektur, in den Farben des Landes, besteht aus einem unglaublichen Mix von Materialien - Holz, Stein, derbe Stoffe, Tierfelle. Als wäre es die Hauptsache, dass auf den ersten Blick keines der üblichen Attribute von Luxus zu erkennen ist.

Das Explora-Hotel hat ein chilenischer Multimillionär für sich und seine Freunde (und ein paar zahlende Gäste) in die Wüste gebaut (und ein zweites in Patagonien). Luxus, das bedeutet für Señor Ibañez ganz offensichtlich: innerhalb von Stunden die Welt vergessen, reiten, wandern, bergsteigen, Ausflüge machen. Beim Sonnenaufgang zwischen den höchstgelegenen Geysiren der Welt (4300 m) frühstücken. In einer warmen Quelle (3100 m) baden, danach im Hotel exzellent zu Mittag essen, dazu den Wein aus den eigenen Weinbergen trinken. Zum Sonnenuntergang die Flamingos auf dem Salzsee von Atacama beobachten und sehen, wie die Sonne den Licancabur (5950 m), diesen Bilderbuchvulkan, in flamingorotes Licht taucht. Und abends in der Bar (alles inklusive!) Pläne machen für den nächsten Tag. Vielleicht auf den Vulkan steigen? Auf einen Sechstausender?

Luxus, das ist ein warmes Sprudelbad nach der Vulkantour (denn natürlich gibt es ein wunderbares, schiefergefliestes Badezimmer - hinter dem Waschbecken).

Luxus, das sind 90 Mann Personal (davon 70 Prozent Einheimische aus der allernächsten Umgebung) für 50 Zimmer, das sind zurückgeschlagene Betten am Abend und eine ganz sparsame Beleuchtung während der Nacht - damit die Gäste die Sterne besser sehen können.