Was hat Malka Glasel um ihre Söhne gezittert! Als der Arzt ihre Schwangerschaft feststellte, gab er den Fünflingen in ihrem Bauch keine Chance. Er dachte nicht, dass ihr zierlicher Körper das schaffen könnte. Jeden Tag stellte Malka sich darauf ein, nun könne alles vorbei sein. Als sie es dann allen Prognosen zum Trotz bis zum fünften Monat gebracht hatte, meinte der Arzt: "Na, vielleicht werden ja zwei überleben." Malka hielt noch weitere zwölf Wochen durch – in waagerechter Position und bangend. Im achten Monat brachte sie dann fünf gesunde Jungen zur Welt. Die Geburt machte Schlagzeilen in den Abendnachrichten. Gleich nach den Berichten über Libanonkrieg und Börsenflaute.

An der Wäscheleine hängen Uniformen ohne Ende

Das war vor 20 Jahren. Malka Glasel zittert heute wieder um ihre Söhne. Und sie erinnert sich noch genau daran, was ihr damals beim Anblick der hilflosen Winzlinge im Brutkasten durch den Kopf schoss – dass ihre Söhne, wenn sie erwachsen wären, hoffentlich nicht zur Armee müssten. Eine Schwester tröstete sie: "Was machst du dir Sorgen ums Militär. Denk lieber drüber nach, wie du einmal mit fünf Schwiegertöchtern fertig werden willst."

Glasels Sorgen waren berechtigt. Geheiratet hat noch keiner der fünf. Aber alle sind mittlerweile bei der Armee. Wie alle 18-Jährigen in Israel wurden ihre Söhne automatisch zum Wehrdienst eingezogen. Ausnahmeregelungen für kinderreiche Familien gibt es nicht.

Malka und Jakow Glasel und ihre fünf Söhne sitzen im Wohnzimmer ihres gepflegten, kleinen Hauses im Dorf Meischar, unweit von Aschdod. Draußen an der Wäscheleine hängen Uniformen ohne Ende. Sieben Trommeln hat die Mutter an diesem Wochenende gewaschen, und dann fand sie immer noch ein Paar schmutzige Hosen herumliegen.

Die fünf sind – in der Reihenfolge der Geburt – Schai, Dor, Os, Ron und Siv. Keiner sieht dem anderen ähnlich. Genauso unterschiedlich seien auch ihre Charaktere, sagt die Mutter. Von Schai, dem Ältesten, meinen seine Brüder, er sei zu gut für diese Welt. Über die Armee sagt Schai: "Eine ganz andere Welt. Keiner weiß vorher, was da auf ihn zukommt. Aber sie bringt aus jedem heraus, was er schon ist." Wenn er am Wochende ins Kino gehe, könne er heute genau sehen, wer in der Schlange vor der Kasse gerade Soldat ist und wer nicht. "Der Blick der Soldaten ist schwerer, sie wirken erschöpfter als die anderen."

Dor, sein Bruder, der alle überragt, ist bei der Artillerie. Ihm war es wichtig, in eine Kampfeinheit zu gehen, und später will er den Offizierskurs machen. Der Frieden vor der Intifada, als man daran gedacht habe, den Armeedienst von drei auf zweieinhalb Jahre zu reduzieren, sei bloß eine Illusion gewesen, sagt er. "Wenn man Terroranschläge nicht nur vom Fernsehsessel aus betrachtet, sondern jeden Tag mit Palästinensern zu tun hat, dann schafft das eine ganz andere Perspektive."

Os war derjenige der Brüder, der bei der Geburt nur 1100 Gramm wog und am längsten im Brutkasten liegen musste. "Er gehört dem Typ survivor an", sagt sein Vater über ihn. Os leistet seinen Armeedienst im Homefront-Command ab – einem Rettungsdienst, zum Beispiel für den Fall, dass Scud-Raketen auf Israel abgefeuert werden. Dort ist auch sein Bruder Ron. Ron ist der ruhigste der fünf, hat als Einziger bereits eine Freundin, und er hört auch jetzt, statt viel zu reden, lieber seinen Brüdern zu.

Siv, der Sohn, der als Letzter auf die Welt kam, ist in der Nähe von Ramallah stationiert. Er steht bei strömendem Regen und höchster Warnstufe vor Anschlägen an einem Kontrollpunkt und überprüft die Autos, die vorbeifahren. Und seine Mutter weiß nicht, wann sie sich mehr Sorgen machen soll: wenn er dort steht oder wenn er anschließend im Autobus nach Hause fährt.