Joachim Kemnitz (62), ist stellvertretender Bundesvorsitzender von Pro Bahn. Beim Fahrgastverband treffen jetzt die Mails der jammernden Zugfahrer ein

Seit 15. Dezember gilt das neue Tarifsystem der Deutschen Bahn. Sind schon Beschwerden eingetroffen?

Einige hundert. Seit 16. Dezember sammeln wir die E-Mails zentral. Bereits nach sechs Stunden haben uns fünfzig Schreiben erreicht.

Was sind die häufigsten Klagen?

Eine davon ist die Umwandlung zuschlagfreier Interregiozüge in zuschlagpflichtige Intercitys. Dabei gibt es überproportionale Preiserhöhungen, vor allem für Kunden mit der neuen Bahncard, weil zumindest auf kurzen Entfernungen wie etwa Hamburg–Lüneburg die Vorausbuchungsrabatte gar nicht zum Tragen kommen. Ein weiterer Punkt ist natürlich das Auslaufen der alten Bahncard.

Jammern Kunden, dass es schwieriger geworden sei, den günstigsten Preis auszurechnen?

Ja, sicher. Interessierte Fahrgäste haben zwar ein bisschen die Struktur des neuen Preissystems verstanden, Dinge wie den Mitfahrerrabatt etwa, aber früher konnte man überschlagen: Entfernung mal Kilometerpreis und wusste so ungefähr, was man bezahlen muss. Das geht jetzt nicht mehr. Dadurch ist es komplizierter geworden.